Interview

Wirkungsvoller Auftritt

Eine gute Vorbereitung ist die halbe Miete, nicht nur bei einer Präsentation oder einem ­Bewerbungsgespräch, sondern auch beim Small Talk. Am Assistants’ Day gibt Keynotespeakerin Catherine Tenger Tipps für einen wirkungsvollen Auftritt. Im Gespräch mit Miss ­Moneypenny verrät sie vorab, wie man sich auf den Event vorbereiten kann.

 

Frau Tenger, Sie haben ein Buch über das Thema «Format» geschrieben. Wann attes-tieren Sie einer Person, «ein Mensch von Format zu sein»?

Authentizität ist ein wichtiger Aspekt von Format, aber nicht nur. Viel wichtiger ist es, im richtigen Moment die Register seiner Authentizität zu ziehen. Leute mit Format haben zu sich selbst ein gutes Verhältnis. Sie wertschätzen andere Leute und nehmen sie an, wie sie sind, dies ganz unabhängig von ihrer Herkunft oder ihrem Status. Eine Person von Format zu sein bedeutet, die inneren Werte nach aussen spürbar zu machen.

Ist das Beschriebene nicht auch eine Frage der Lebenserfahrung?

Absolut. Es kommt aber auch darauf an, was man mit der gesammelten Erfahrung und dem Erlernten macht. Selbstbewusstes Kommunizieren oder authentisches Auftreten sind bei den meisten Menschen nicht einfach gegeben, sondern erfordern Übung. Vor allem, wenn es natürlich rüberkommen soll.

Sind Menschen von Format erfolgreichere Menschen?

Wenn ein Mensch von Format Einfluss nehmen kann, dann ist er erfolgreich. Weil man auf ihn hört und ihm vertraut. Es gibt viele Leute, die Erfolg, aber kein bisschen Format haben. Format bedeutet, Einfluss auf sich selbst zu nehmen, sich selbst gegenüber wohlwollend zu sein und auch über sich selbst lachen zu können.

Was stellen Sie sich unter einer Assistentin von Format vor?

Eine Assistentin von Format hält für alles, was im Unternehmen läuft, Augen und Ohren offen. Nehmen wir das Beispiel der Assistentin in der Rolle der Netzwerkerin: Assistentinnen besitzen viele gute Kontakte. Nehmen Sie sich doch als Assistentin vor, Ihre Kontakte aus den unterschiedlichen Branchen wie Hotellerie, Reisebranche, Medien und so weiter einmal im Monat zusammenzubringen. Machen Sie das aktiv und überlegen Sie sich, welche Kontakte interessante Gesprächspartner sein könnten. Tun Sie dies, ohne an Ihren eigenen Nutzen zu denken. Als Resultat werden Sie dafür sichtbar und bekannt werden, Menschen zusammenzubringen.

Format ist nicht etwas, das man sich selbst attestiert, sondern die anderen in einem sehen, indem man seine Taten sprechen lässt. Eine gute Selbstwirksamkeit und ein gesundes Selbstvertrauen in seine Fähigkeiten ist die Basis von Format. Fürs Selbstvertrauen hilft es mir, einen Erfolgsspeicher zu haben. In diesem Speicher sammle ich beispielsweise Mails mit nichtalltäglichen Komplimenten, die dafür sorgen, dass ich mich gut fühle. Weil das Gute schnell in Vergessenheit gerät und man sich aufs Negative fokussiert, ist es wichtig, solche Komplimente zu sammeln, damit diese aus der Erfolgsspeicher-Schublade gezogen werden können. Das verschafft einem eine selbstbewusste Ausstrahlung, die die Menschen um uns herum wahrnehmen.

Am Assistants’ Day halten Sie eine Keynote über das überzeugende Auftreten. Wann ist ein Auftritt souverän und wirkungsvoll?

Souverän und wirkungsvoll ist der Auftritt dann, wenn eine Person präsent ist. Präsenz nicht im Sinne von pausenlosem Senden und ständigem Gesehenwerden. Man kann auch nonverbal sehr präsent sein. An einem Meeting kann der kleinste Redeanteil schon eine grosse Präsenz erzeugen, wenn man spürt, dass diese Person voll und ganz da ist. Ein souveräner Auftritt bedeutet auch Lockerheit. Damit meine ich nicht Laisser-faire. Eine gewisse Lockerheit und auch Schlagfertigkeit ergeben sich, wenn man sich vorbereitet hat. Auch eine gute Vorbereitung auf den Small Talk trägt dazu bei, dass man souverän auftritt.

Im Hinblick auf den Assistants’ Day: Wie sollen sich Assistentinnen und Assistenten auf den Small Talk vorbereiten?

Ein Teil der Vorbereitung kann sein, sich zu erkundigen, wer die Leute sind, die an diesem Tag teilnehmen und beispielsweise einen Workshop leiten oder mit einer Lounge präsent sind. Was oder wer interessiert mich? Hatte ich bereits Kontakt mit einer Person, die an diesem Tag anwesend ist? Ich empfehle, sich vor dem Event Ziele zu setzen. Ein erstes Ziel könnte sein, dass man mindestens drei Leute findet, die sich gegenseitig helfen können, und somit auf der Gefälligkeitsdatenbank einzahlt. Das zweite Ziel ist, sich vorzunehmen, drei neue Sachen zu lernen. Und zwar nicht, indem man einen Workshop besucht, sondern im Gespräch mit anderen Besucherinnen. Das dritte Ziel können Sie sich bereits heute vornehmen: Vernetzen Sie am Assistants’ Day zwei Leute miteinander.

Interessante Gespräche finden über die persönliche Ebene und
weniger auf der Jobebene statt.»

Der Anfang ist nicht einfach. Verraten Sie uns ein paar Sätze, die das Eis brechen.

Ich rate Leuten, die sich schwertun, auf andere Menschen zuzugehen, auf der Gästeliste nachzuschauen, wer anwesend sein wird und wen sie kennen. Einen Standardsatz würde ich nicht vorbereiten, denn wenn man diesen bei der nächsten Person anwendet oder auch bei mehreren, kommt er nicht mehr natürlich rüber. Stattdessen sollte man sich auf Fragen vorbereiten, die einem garantiert gestellt werden. Eine viel gestellte Frage ist: «Wo arbeitest du?» Darauf sollte nicht mit einem simplen «bei der Firma XY» geantwortet werden. Überlegen Sie sich eine Geschichte, die Sie erzählen können. Zum Beispiel:  «Ich mochte es schon als Kind, Feste zu organisieren, deshalb arbeite ich heute auch so gerne als Assistentin bei einer Event­agentur.» Ein interessantes Gespräch findet über die persönliche Ebene und weniger auf der Jobebene statt. Die geschäftlichen Themen ergeben sich so oder so. Lassen Sie Ihre Persönlichkeit einfliessen. So werden Sie besser in Erinnerung bleiben. Apropos Eisbrecher am Assistants’ Day: Ein guter Einstieg könnte sein, das Gespräch über das frisch renovierte Kongresshaus zu beginnen und mit ein paar Hintergrundinformationen das Interesse zu wecken.

Also den Assistants’ Day als eine grosse Feldstudie betrachten und ausprobieren?

Unbedingt. Dieses Interview könnte ein möglicher Aufhänger für die Gesprächseröffnung sein. «Ich habe in Miss Moneypenny gelesen, dass wir diesen Anlass hier als Übungsfeld anschauen können. Ich übe jetzt den lockeren Small Talk.» Selbstironie kann auch ein guter Anfang für ein Gespräch sein.

Und wie ist das an einem Kundenanlass?

Da sollten sich Assistentinnen so bewegen, als wäre es ihre Party und sie die Gastgeberinnen. Dieser Mindset wirkt sich enorm auf die Ausstrahlung und die nonverbale Kommunikation aus. In der Rolle der Gastgeberin wird man auch eher Leute ansprechen, sie begrüssen und willkommen heissen.

Was ist beim Small Talk tabu?

Wenn man will, dass es ein gutes Gespräch ist, dann hilft es nicht, über etwas Polarisierendes zu sprechen.

Wie kommt man zu Ausstrahlung?

Charisma kann erlernt werden, doch wer an seiner Perfektion feilt, arbeitet an seiner Ausstrahlung vorbei. Perfektion führt dazu, dass sich andere Menschen unbehaglich fühlen. In Gegenwart von Leuten mit einer grossen Ausstrahlung fühlt man sich wohl, weil sie sich für ihr Gegenüber interessieren.

Catherine Tenger

ist Autorin und Trainerin für Auftritts- und Kommunikationskompetenz.
clt-training.ch

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Chefredaktorin Miss Moneypenny

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