Interview

Tipps fürs Lohngespräch

Headhunterin Elke Rottman gibt Antworten auf Fragen rund ums Thema Lohn.

Elke Rottman, was antworten Sie als Headhunterin auf die Frage «Wie viel steht mir zu?»?

Im Grunde genommen ist es keine Gabe. Assistentinnen und Assistenten sollten sich vielmehr fragen: «Was bin ich wert? Was ist meine Qualifikation wert?» Bei jüngeren Talenten, die ihre Karriere starten, weise ich gerne auch auf Seiten wie Lohncheck oder die Empfehlungen des Kaufmännischen Verbandes hin. Ansonsten gibt es keine allgemeine Antwort, denn das Salär hängt von Erfahrung, Qualifikationen, Sprachkompetenzen, aber auch vom Arbeitsort, von der Branche und der Grösse der Firma ab. All diese externen Faktoren gilt es zu berücksichtigen. Zudem spielt der Verantwortungs- und Aufgabenbereich eine grosse Rolle. Assistentinnen auf C-Level sind die am besten bezahlten Assistentinnen. Dies, weil sie diejenigen Persönlichkeiten supporten, deren Zeit am wertvollsten ist. Auch Zusatzaufgaben wie das Betreuen der Social-Media-Kanäle oder in der Kommunikation sind für das Salär relevant.

Kennen Assistentinnen und Assistenten ihren Marktwert?

Jein. Oftmals erlebe ich, dass vor allem jüngere Assistentinnen, die eine Weiterbildung absolviert haben, denken, ihnen würde automatisch mehr Geld zustehen. Das ist ein Irrglaube. Eine Weiterbildung allein rechtfertigt keine Lohnerhöhung, sondern erst der Mehrwert, den ich dadurch erbringen kann. Im Gegenzug kenne ich tolle 45-jährige Kandidatinnen, die ganz viel Verantwortung tragen, die unter CHF 100  000 verdienen, und ihnen ist nicht bewusst, dass sie weit unter dem nach ihrem Profil zu erwartenden Salär eingestuft wurden.

Wo können Assistenzen recherchieren, wie viel ihre Arbeit wert ist?

Zum einen über die gängigen Internetseiten, zum anderen übers Netzwerk. Ich rate dazu, sich zu trauen andere Assistentinnen und Assistenten zu fragen, was sie verdienen. Das wird leider zu wenig gemacht, weil es immer noch tabu ist, über den Lohn zu sprechen.

Wann sollte während des Bewerbungsverfahrens spätestens über den Lohn gesprochen werden?

Empfohlen wird, erst in der zweiten Runde übers Salär zu sprechen. Oft habe ich aber von Kandidatinnen gehört, dass obwohl sie beim Einreichen der Bewerbungsunterlagen über ihre Gehaltsvorstellungen gefragt wurden, dieses Thema während mehreren Bewerbungsrunden nicht angesprochen wurde. Gegen Ende des Bewerbungsprozesses stellte sich dann heraus, dass die Position überhaupt nicht den Gehaltsvorstellungen der Bewerberin entsprach. Das ist nicht sinnvoll und auch respektlos gegenüber der Kandidatin. Wenn bereits vorab nach den Lohnvorstellungen gefragt wird, können Kandidaten sich im Gegenzug erkundigen, wie hoch die Stelle budgetiert ist. Mögliche Fragen sind dann: «Sie haben um meine Salärvorstellungen gebeten, passt das so für Sie?» Oder: «In meiner letzten Position hatte ich die und die Aufgaben und diesen Lohn. Entspricht das auch Ihren Vorstellungen?»

Wie lauten die Spielregeln bei Lohnverhandlungen?

Die wichtigste Spielregel lautet: Wer fragt, der führt. Ich empfehle, sich bei solchen Gesprächen ein klares Ziel zu setzen und selbstbewusst aufzutreten. Um mehr Lohn bitten sollte niemand. Arbeitnehmende haben Anspruch auf eine entsprechende Entlöhnung für die geleistete Arbeit. In jedem Fall gilt es, sich zu überlegen, was zusätzlich oder mehr geleistet wurde beziehungsweise welche Zusatzaufgaben oder Verantwortung die Assis­tentin zukünftig übernehmen möchte. Denn nur weil man ein weiteres Jahr dabei war, bedeutet das nicht, dass man mehr bekommen sollte. Wer also berechtigterweise nach einer Lohnerhöhung fragt und die Antwort bekommt, dass es aktuell nicht geht, kann sich nach einem passenderen Zeitpunkt für ein Lohngespräch erkundigen.

Lohnverhandlungen als Ü50 – was raten Sie?

Ich arbeite mit vielen Ü50-Kandidatinnen und sehe im Grunde genommen keinen Unterschied zu anderen Kandidatinnen. Abgesehen vom Argument «mehr Erfahrung» sollte man sich auch mit über 50 Jahren bewusst sein, warum man mehr wert ist.

Kann auch während der Corona-Krise beziehungsweise bei einem schlechten Geschäftsjahr nach einer Lohnerhöhung gefragt werden?

Das ist schwierig zu beantworten. Ich selbst bin Unternehmerin. Im ersten Augenblick hätte ich Mühe, wenn ein Angestellter nach diesem Jahr eine Lohnerhöhung fordern würde. Ich würde es mir sehr genau überlegen. Wenn es beispielsweise eine Restrukturierung gab, Stellen auch im Assistenzbereich abgebaut werden mussten, dann ist es sehr wahrscheinlich, dass eine Assistentin mehr Aufgaben übernehmen musste. In so einem Fall finde ich es angebracht, zum Vorgesetzten zu gehen und ihn auf die Mehrbelastung hinzuweisen. Von diesem Beispiel abgesehen würde ich zum jetzigen Zeitpunkt davon abraten, nach einer Lohnerhöhung zu fragen.

Elke Rottmann

ist Headhunterin und Inhaberin der Agentur Hearts and Brains.
heartsandbrains.ch

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