Interview

«Simon war der Architekt, ich die Baumeisterin»

Monique Helstrom war viele Jahre als «Chief of Simon Sinek» an der Seite des -berühmten Autors und Unternehmensberaters tätig. Im Interview wollten wir wissen, wie Sinek als Führungskraft ist und warum ihr das Thema Kommunikation besonders am Herzen liegt.

Eventmanagement, Verkaufsmanagement, Geschäftsinhaberin und dann der Job bei Simon Sinek. Erzählen Sie mehr über Ihren Werdegang.

Ich habe schon immer in einer Art «logistische» Jobs gearbeitet. Ich bin sehr detailorientiert und wusste schon in jungen Jahren, dass ich das als Vorteil nutzen kann. Auch wenn sich meine Berufe geändert haben, so ist doch der Mensch, der ich in jedem dieser Berufe war, der gleiche geblieben. Ich bin eine natürliche Selbstdarstellerin, eine Pro­blemlöserin und ein extrovertierter Mensch.  Ausserdem bin ich besessen von Wachstum und Entwicklung, was wahrscheinlich einer der Gründe ist, warum ich mich jahrelang immer wieder mit neuen Berufen herausgefordert habe.  Und jetzt, wo ich mein eigenes Coaching-, Beratungs- und Vortragsunternehmen habe, ist das eine ganz andere Sache.

Sie arbeiteten fast acht Jahre an der Seite von Simon Sinek. Wie würde er Sie beschreiben?

Er hat mir einmal gesagt, dass die Dinge, die mich und meine Arbeit so besonders machen, mein Einfallsreichtum, meine Fähigkeit, mit 100 Dingen gleichzeitig zu jonglieren, und meine klaren Kommunikationsgewohnheiten sind. Das sind drei Dinge, auf die ich auch stolz bin. Er würde mich auch als energiegeladen, leistungsorientiert und als ein solides Unterstützungssystem beschreiben. Und ich schätze, er würde auch etwas über meine grosse Klappe sagen.

Wie verlief Ihr Einstellungsprozess bei Sinek?

Es gab nicht wirklich einen «Einstellungsprozess». Ich habe ihm bei seinem Umzug in New York geholfen. Damals hatte ich ein eigenes Unternehmen für die Organisation von Umzügen. Während wir in der Stadt eine Besorgung machten, beschrieb er die Vision der Welt, die er zu schaffen versuchte, und erklärte, wie ich ein Teil davon sein könnte. Simon erklärte mir, dass er die Welt inspirieren wolle und dafür meine Fähigkeiten benötige. Ich glaubte an seine Mission, vertraute ihm als Mensch und wusste, dass ich mit meinen Fähigkeiten etwas Grosses bewirken würde. Die Entscheidung fiel mir nicht schwer, mein Unternehmen zu schliessen und mit ihm zusammenzuarbeiten.

Was macht Simons Führungsstil aus?

Eine Sache, die ich bei meiner Arbeit mit ihm geliebt habe, ist, dass wir Fehler machen durften.  Wir durften scheitern. Wir durften sagen: «Ich weiss es nicht.» Das wurde nicht als etwas Negatives angesehen, sondern als ein Mittel, um zu einem wünschenswerten Ergebnis zu gelangen.  Wenn etwas schiefging, fragte er immer: «Und wie willst du das in Ordnung bringen?» Keine Schuldzuweisungen. Keine Beschämung. Das Vertrauen war vorhanden, dass ich mir des Fehlers bewusst und fähig genug war, ihn zu korrigieren. All das bedeutet, dass es ein sehr menschlicher Arbeitsplatz war, an dem wir uns wie Menschen fühlen durften, mit all unseren Fehlern.

Sind Sie viel mit ihm gereist?

Ich war etwa 220 Tage im Jahr mit ihm unterwegs. Wir waren mehr Tage unterwegs als zu Hause. Es war anstrengend und belebend, und ich würde nichts daran ändern wollen. Ich konnte in wenigen Jahren mehr als 25 Länder, Kulturen und Communitys kennen lernen.

Wie kam es zum Titel «Chief of Simon Sinek»?

Ich durfte mir meinen Titel selbst aussuchen. Simon fragte mich: «Was wirst du in diesem Job tun?» Ich antwortete: «Ich werde die Chefin von DIR sein!» So kamen wir auf den Titel. Es war kein langes Prozedere und es blieb mein Titel für die gesamte Zeit, in der ich mit ihm zusammenarbeitete.

«Wir wussten beide, was wir gut können, was unsere Stärken und Schwächen sind und wie wir das alles nutzen können, um eine Bewegung aufzubauen.»

Sprechen wir über das WARUM. Wie war es für Sie, Ihr WHY zu analysieren?

Das ist kein einfacher Prozess. Es ist einfach im Design, aber schwierig in der Umsetzung. Ich hatte anfangs Schwierigkeiten, mein Ziel zu definieren, weil ich zwar wusste, was ich fühlte, aber nicht, wie ich es in Worte fassen sollte. Ich bin sicher, einige von euch können das nachvollziehen. Ich habe wahrscheinlich vier Iterationen durchlaufen, bevor ich wirklich zufrieden war. Die Worte mögen sich im Laufe der Jahre geändert haben, aber das Gefühl und die Handlung dahinter sind dieselben geblieben. Mithilfe von Peter Docker und David Mead, die mit «Find Your Why» DAS Buch zu diesem Thema geschrieben haben, konnte ich dem Ziel näherkommen als je zuvor. Ich möchte alle ermutigen, dieses Buch zu lesen, Simons TED-Vortrag und seine Videos anzuschauen und euch auf den Weg zu machen, eure Bestimmung zu finden!

Der Aufbau leistungsfähiger Partnerschaften ist eines der Hauptthemen in Ihren Vorträgen. Wie würden Sie die Partnerschaft mit Sinek beschreiben?

Wir hatten eine Partnerschaft, die von Respekt, Ehrlichkeit und Zusammenarbeit geprägt war.  Wir wussten beide, was wir gut können, was unsere Stärken und Schwächen sind und wie wir das alles nutzen können, um eine Bewegung aufzubauen. Wir wussten, dass wir unterschiedlich sind, und fanden in diesen Unterschieden einen Zauber, anstatt uns zu entzweien. Er war der Architekt, ich war die Baumeisterin. Ohne den Architekten weiss die Baumeisterin nicht, was sie bauen soll. Aber ohne die Baumeisterin ist der Architekt nur jemand, der schöne Bilder malt. Wir haben diese Dynamik verstanden und waren in der Lage, die besten Versionen von uns selbst zu sein, während wir die Arbeit machten, für die wir beide bestimmt waren.

Welchen Einfluss können Assistenzen auf eine bessere Partnerschaft mit ihren Führungskräften haben?

Es braucht ein Bewusstsein dafür. Gute Partnerschaften, wie auch gute Beziehungen, entstehen nicht einfach so. Sie müssen auf einer soliden Grundlage von Vertrauen, Ehrlichkeit und Einfühlungsvermögen aufgebaut werden, und zwar in beide Richtungen. Sich selbst zu verstehen ist der Ausgangspunkt, damit ihr eure Tendenzen, Auslöser und Gewohnheiten kennt. Genauso wichtig ist es, die Persönlichkeit des anderen zu verstehen. Dann müssen wir wissen, wie sie zusammenarbeiten. Das bedeutet NICHT, dass ihr zum Fussabtreter, Chamäleon oder unsichtbar werdet, um eure Führungskraft auf ein Podest zu stellen. Es geht um Gleichheit, Respekt und darum, gemeinsam stärker zu sein.

Warum ist Kommunikation Ihr Herzensthema?

Kommunikation ist die wichtigste Fähigkeit, die uns nie beigebracht wurde. Sie beeinflusst jeden Aspekt unseres Lebens, einschliesslich unserer Beziehungen, unserer Karriereaussichten, unserer Erziehungsfähigkeiten, unseres Selbstwertgefühls, unseres Stressniveaus und ja, sogar unseres Geldbeutels. Und es ist auch etwas, das als Fähigkeit völlig übersehen, ja fast ignoriert wird. Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, der Welt beizubringen, wie man effektiv kommuniziert, wie man selbstbewusst schwierige Gespräche führt und wie wir unsere Worte (und unsere Ohren) nutzen können, um die Welt verständnisvoller zu machen.

Was sind die wichtigsten Tipps, die Sie für die Kommunikation mit Führungskräften geben?

Erstens: Stelle sicher, dass du beim Kommunizieren den Empfänger im Blick hast. Die meisten von uns konzentrieren sich bei der Kommunikation nur darauf, was sie sagen müssen, und nicht darauf, was die andere Person hören muss. Wenn wir uns nur auf unsere eigenen Worte fokussieren, dann verpassen wir die andere Hälfte der Gleichung. Ändere also deinen Fokus!  Lerne mehr über die Menschen um dich herum, damit du so mit ihnen sprechen kannst, dass sie es auch verstehen. Das wird deine Beziehungen sofort verändern. Versuche ausserdem, deine Worte zweimal mehr zu benutzen als deine Finger. E-Mail und Textnachrichten wurden geschaffen, um unsere biologische Fähigkeit zu sprechen zu verbessern, nicht um sie zu ersetzen. Über E-Mail kann man keine Beziehungen aufbauen und auch keine Freundschaften schliessen. Per E-Mail kann man keine Nuancen ausmachen, keinen Tonfall hören und nichts Nonverbales sehen. E-Mails sind wirklich für das Wer, Was, Wann, Wo und Warum gedacht. Für alles andere solltet ihr die mündliche Kommunikation nutzen.

Monique Helstrom

war acht Jahre lang «Chief of Simon Sinek», dem «New York Times»-Bestsellerautor und TED-Promi. Während dieser Zeit hat sie unvergleichliche Erfahrungen gemacht und einzigartige Perspektiven aus allen Bereichen der Welt gewonnen. Zudem hat sie während zwölf Jahren Unternehmen beim Aufbau von Menschen und Organisationen unterstützt. Monique Helstrom ist Expertin für Kommunikation und Persönlichkeitstypen und hat ein praktisches Verständnis dafür entwickelt, wie man den ultimativen Erfolg erreicht. Dieses Wissen gibt sie bei öffentlichen Auftritten und an ihre Coaching-Kunden weiter.
moniquehelstrom.com

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Diana Brandl war Senior Executive Assistant auf Topmanagement-Ebene in Unternehmen wie ratiopharm, Sony und Mister Spex. Sie engagiert sich für das Berufsbild der Office Professionals, ist Bestseller-Buchautorin und Podcast Host. Sie gibt Seminare und Workshops und spricht auf nationalen wie internationalen Konferenzen.

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