Porträt

Mehr als Hopfen und Malz

Petra Ramseier bringt alles unter einen Hut: ihre Arbeit als Assistentin des Feldschlösschen-CEO und ihre drei Kinder. Das Erfrischende dabei ist, dass sie das macht, ohne eine Diskussion über Vereinbarkeit loszutreten.

Homeoffice am Esszimmertisch, Web-Check-in am Wochenende, täglich verfügbar, obwohl teilzeitbeschäftigt: Für CEO-Assistentin Petra Ramseier ist das keine Bürde, sondern bedeutet «mega viel Freiheit». Ramseier arbeitet für die Traditionsfirma Feldschlösschen im aargauischen Rheinfelden. «Ich bin dankbar für die flexiblen Arbeitszeiten und die Möglichkeit, im Homeoffice zu arbeiten», erklärt die Assistentin. Früh hat Feldschlösschen ortsunabhängiges -Arbeiten ermöglicht, ganz nach dem Vorbild der dänischen Carlsberg-Gruppe. Der Schweizer Getränkehersteller ist seit 2000 ein Teil von Carlsberg, der weltweit drittgrössten Brauerei-Gruppe.
Seit 20 Jahren arbeitet Ramseier für den gleichen Chef. Das habe viele Vorteile. Zum einen ist das gegenseitige Vertrauen gross und zum anderen weiss sie, in welcher Stimmung der Chef ist, wenn er morgens ins Büro kommt. Die Assistentin von Feldschlösschen-CEO Thomas -Amstutz ist seit 14 Jahren beim Getränkehersteller angestellt. «Im jugendlichen Enthusiasmus bin ich mit meinem Chef damals mitgegangen.» -Davor arbeiteten sie bereits sechs Jahre beim Lebensmittelkonzern Hero. Als ihr Chef dann zu Feldschlösschen wechselte, wurde ihr die Assistenzstelle im neuen Unternehmen angeboten.

Working Mom

Zwei Tage pro Woche ist die 41-Jährige in Rheinfelden vor Ort. Sie arbeitet 50 Prozent, zumindest theoretisch. Denn meist komme mehr Arbeit zusammen, als in zweieinhalb Tagen zu schaffen ist. «Mein Chef lässt mir freie Hand bei der Arbeitsgestaltung. Am Ende muss alles zu 100 Prozent stimmen.» Bis anhin hat immer alles geklappt. -Petra Ramseier hat nach der Geburt ihres ersten Kindes ihr Vollzeitpensum reduziert. Damals, vor über zwölf Jahren, war sie im Dorf noch die einzige arbeitende Mutter. «Ich musste mich überall rechtfertigen. Im Kindergarten wurde ich gefragt, wieso ich als Mutter nicht immer zu Hause bin. Bei der Arbeit, -wieso ich nicht mehr Vollzeit arbeite», erinnert sich die dreifache Mutter. Beim dritten Kind sei ihre Teilzeitarbeit nicht mehr der Rede wert gewesen. «Mittlerweile treffe ich vermehrt Väter im Dorf an, die sich bei der Kinderbetreuung beteiligen und ebenfalls Teilzeit arbeiten.»
Bei Feldschlösschen wird fortschrittlich mit den Themen Teilzeit und arbeitende Mütter umgegangen. «Am Ende ist es nicht nur eine Frage der Firmenkultur, sondern der Organisation», meint die Assistentin, die nicht nur die Agenda des Feldschlösschen-CEO im Griff hat, sondern auch die Terminkalender ihrer drei Kinder. Zweimal pro Woche helfen die Grosseltern bei der Betreuung mit. Und dann gibt es noch die Mittagstische, bei -denen sich die Eltern in der Nachbarschaft -gegenseitig aushelfen. «Die Solidarität bei uns im Dorf ist sehr gross. Wenn eine Mutter mal einen Engpass hat, hilft man sich aus.»

Ausser Dienst

Das wollte ich als Kind werden:
Lehrerin, der klassische Traumberuf eines kleinen Mädchens.

Das hat mich geprägt:
Ich bin auf dem Land aufgewachsen und da lernt man viel über Zusammenhalt, Selbstständigkeit und Unterstützung.

Da muss ich lachen:
Kürzlich musste mein ältester Sohn ein Gedicht auswendig lernen und der kleine Bruder hat daneben alles pantomimisch nachgespielt.

Darüber ärgere ich mich:
Genervte und gestresste Autofahrer.

Dafür habe ich einmal viel Mut gebraucht:
Für meinen Tandemsprung aus einer Höhe von 4000 Metern.

Das möchte ich gerne lernen:
So toll kochen können wie meine Mutter.

Diese Person würde ich gerne kennenlernen:
Carla del Ponte – eine beeindruckende Persönlichkeit. Ich habe sie an einer Lesung bei den Moneypennys live erlebt.

Im Gleichgewicht

Kids, Job und ein bisschen Zeit für sich – ohne Aufgeregtheit bringt die Assistentin alles unter einen Hut. «Die Kombination von Familie und Arbeit sorgt dafür, dass ich im Gleichgewicht bin. Meine Kinder holen mich immer wieder auf den Boden zurück und im Job erfahre ich viel Wertschätzung», erklärt Ramseier, während sie beim Fotoshooting vor dem Sudkessel posiert.
Wir wechseln das Thema. Reden über Hygiene, den Gärprozess bei der Herstellung des Hopfengetränks und den Trend zum alkoholfreien Genuss. Die Assistentin kennt sich aus, hat gar die firmeninterne Bierakademie besucht. «Hopfen, Malz und Wasser – es steckt viel mehr hinter der Produktion von Bier.» Petra Ramseier erzählt von verschiedenen Biersorten, den Innovationen in der Branche und den länderspezifischen Besonderheiten. Die Assistentin ist Feuer und Flamme und identifiziert sich mit dem Produkt. Sie ist aber sensibilisiert und kennt die kritischen Reaktionen, wenn sie erzählt, dass sie für eine Brauerei arbeitet. Damit kann sie leben und sie scheut sich auch nicht, über den bewussten Umgang mit Alkohol zu diskutieren. «Vielleicht rede ich in vier Jahren anders, wenn mein Grosser 16 Jahre alt wird. Jedoch versuche ich in der Diskussion mit meinen Kindern das Thema Alkohol zu enttabuisieren und aufzuzeigen, dass ein massvoller Konsum nichts Verwerfliches ist.»

Vermehrt Projektarbeit

Der Diskurs über Alkohol sei heute ein anderer als noch zu ihren Anfangszeiten beim -Getränkehersteller. «Kritisch, aber nicht im negativen Sinne. Denn der Konsument informiert sich und ist sehr gesundheitsbewusst. Dem gilt es für uns als Unternehmen mit entsprechenden Produkten auch Rechnung zu tragen.» Schliesslich gebe es nichts Langweiligeres, als ständig das Gleiche zu produzieren. Auch ihre Arbeit hat sich in den 14 Jahren bei Feldschlösschen stark verändert. Im Schnitt wandelten sich ihr Tätigkeitsgebiet und die Arbeitsmethoden alle zwei Jahre. «Mein Job ist heute spannender als zu Beginn meiner Anstellung. Und dank der Digitalisierung habe ich zusätzliche Zeit für Projekte gewonnen.» Sie hat die organisatorische Leitung der Hürlimann Generalversammlung im Volkshaus Zürich übernommen. Als Projektbetreuerin für die Weihnachtsgeschenke und -Karten bringt sie Lernenden bei, was für ein solches Projekt alles nötig ist – von der Idee übers Budget bis hin zur Realisierung. «Mein Job ist wie unser Bier: Es steckt mehr dahinter als Hopfen und Malz.» 

Petra Ramseier

Petra Ramseier (41) arbeitet seit 20 Jahren für ihren Chef, Thomas Amstutz. Die ersten sechs Jahre für den Lebensmittelkonzern Hero und seit 14 Jahren für den Getränkekonzern Feldschlösschen. Die Assistentin des CEO hat bei der Gemeindeverwaltung Wettingen ihre KV-Lehre gemacht. Petra Ramseier ist alleinerziehende Mutter von drei Kindern im Altern von 12, 10 und 6 Jahren. Ihr Zuhause ist im aargauischen Nesselnbach.

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Chefredaktorin Miss Moneypenny

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