Interview

«Keine Angst vor der Kündigung»

Eine Kündigung ist für viele Menschen ein grosser Schritt. Wir haben Business- und Karrierecoach Lotte Elderhorst gefragt, wie man diesen richtig angeht. Wann kann man sich sicher sein, dass eine Kündigung unausweichlich ist? Wann ist der beste Zeitpunkt? Und wie bringt man die Kündigungsfrist am besten über die Bühne? 

 

Woher weiss ich, dass eine Kündigung der richtige Schritt ist? 
Das ist natürlich sehr subjektiv. Grundsätzlich gilt: Sobald die Gesundheit gefährdet ist, ist es Zeit zu gehen. Aber natürlich gibt es eine Reihe anderer Gründe für eine Kündigung. Stimmen zum Beispiel die eigenen Werte und Ziele mit denen des Unternehmens nicht mehr überein, etwa weil das Unternehmen einen Kulturwandel durchlaufen hat, ist es legitim als Mitarbeiterin zu gehen. Auch wenn sich jemand persönlich verändern will, kann eine Kündigung richtig sein. Ich würde allerdings vorher noch ausloten, ob eine solche Veränderung nicht auch beim aktuellen Arbeitgeber möglich ist, indem ich transparent mit meinem Vorgesetzten und HR spreche. Je mehr Klarheit die Mitarbeiterin über ihre eigenen Ziele und Werte hat, umso einfacher kann sie abschätzen, ob der aktuelle Arbeitsplatz der Richtige für sie ist. 

Viele Menschen verlassen Unternehmen aufgrund von Konflikten mit einzelnen Personen. Sind Konflikte ein guter Grund zu gehen? 
Einen Konflikt kann man in der Regel lösen. Wer wegen eines Konflikts kündigt, läuft im Prinzip vor einer Herausforderung weg. Sich hingegen hinzustellen und den Konflikt anzusprechen, erfordert Mut. Oft zahlt sich dieser Mut aus und man findet gemeinsam eine Lösung. Wenn jedoch zu viele Scherben zerschlagen, sind kann eine Neuorientierung der richtige Schritt sein. 

Gibt es gute und schlechte Zeitpunkte für eine Kündigung? 
Der Zeitpunkt muss für die Mitarbeiterin stimmen. Denn spätestens am letzten Tag der vertraglichen Kündigungsfrist muss die Kündigung beim Arbeitgeber sein. Ob der Zeitpunkt für das Unternehmen ungünstig ist, sollte bei den eigenen Überlegungen eine untergeordnete Rolle spielen. Für einen Vorgesetzten kommt eine Kündigung fast immer zum falschen Zeitpunkt. Doch eine Mitarbeiterin, die gehen will, sollte in diesem Moment Vorrang und ein offenes Ohr bekommen – auch wenn der Vorgesetzte sich verletzt oder im Stich gelassen fühlt. 

Wie bereitet man sich gut auf eine Kündigung vor? 
Als erstes soll die Kündigungsfrist überprüft werden. Manch eine weiss gar nicht, wie lang diese tatsächlich ist. Ist das geklärt, lohnt es sich, um sich Zeit für die Gesprächsvorbereitung zu nehmen und einmal zu notieren, was genau man eigentlich im Kündigungsgespräch sagen will. Denn bei diesem Termin kommt meist Nervosität auf oder die Mitarbeiterin sieht sich mit einer unerwarteten Reaktion vom Vorgesetzten konfrontiert. Da ist es gut, schriftlich vor sich zu haben, was man sagen will. 
Das eigentliche Gespräch soll dann nicht zwischen Tür und Angel stattfinden. Vereinbare einen Termin mit dem Vorgesetzten, so dass dieser auch Zeit und ein offenes Ohr hat. Ausserdem rate ich dazu, das Kündigungsschreiben schon vorzubereiten und zum Gespräch mitzubringen. Eine Kündigung muss zwar laut Gesetz nicht unbedingt schriftlich erfolgen, es ist aber so üblich und der Empfang soll vom Arbeitgeber bestätigt werden. 

Wie wichtig ist Ehrlichkeit in diesem Gespräch? 
Ehrlichkeit siegt immer. Unter Umständen möchte jemand, im Kündigungsgespräch nicht alles sagen. Das ist okay. Schliesslich hat man dann auch noch die Kündigungsfrist vor sich und will diese gut verlaufen lassen. Erfahrungsgemäss sind viele Mitarbeitende bei einem Austrittsgespräch am letzten Tag der Zusammenarbeit noch eher bereit, mehr ins Detail zu gehen. Ich halte das für sinnvoll, denn es hilft beiden Parteien transparent zu sein und wenn etwas ausgesprochen ist, kann man es hinter sich lassen. Dies hilft enorm für einen guten Abschluss. 

Nicht alle Unternehmen führen solche Austrittsgespräche. Sollte man um eines bitten? 
Unbedingt! Es lohnt sich, um im Rahmen der Verabschiedung proaktiv auf den Vorgesetzten zuzugehen, um reinen Tisch zu machen. Man begegnet sich immer zweimal im Leben und vielleicht gibt es ja tatsächlich etwas, das in der Organisation optimiert werden kann. Von so einem Gespräch profitieren beide Parteien. 

Besonders wenn man vor dem Hintergrund von Konflikten kündigt, kann die Kündigungsfrist zu einer unangenehmen Zeit werden. Wie übersteht man diese am besten? 
Wichtig ist, während der Phase die eigene Motivation irgendwie aufrechtzuerhalten, denn auch der letzte Eindruck zählt. Also Augen zu und durch. Konflikte sollen aber immer angesprochen werden. Jetzt kann es ja nur noch besser werden. In dieser letzten Phase kann es passieren, dass die gehende Mitarbeiterin nicht mehr überall involviert wird oder erwünscht ist, zum Beispiel wenn im letzten Monat ein neues Projekt startet. Das kann natürlich schmerzen, auch wenn man selbst entschieden hat, zu gehen. Auch da rate ich: akzeptiere die Situation wie sie ist und ärgere dich nicht zu sehr darüber. 

Wie stellt man den Wissenstransfer für den Nachfolger sicher? 
Für eine Nachfolge ist es angenehm, wenn alle Pendenzen erledigt sind, damit er oder sie sich erst einmal in Ruhe einen Überblick verschaffen kann ohne gleich dringende Aufgaben erledigen zu müssen. Gut ist natürlich, wenn man dem Nachfolger oder der Nachfolgerin noch begegnet und persönlich einarbeiten kann. Dann merkt man was die neue Person braucht. Wenn das nicht geht, sollte alles so gut wie möglich dokumentiert werden: Unterlagen, laufende Themen, wichtige Deadlines, Kontakte oder die Agenda vom Vorgesetzten. 

Wie verabschiedet man sich am besten? 
Das hängt von der Firmenkultur ab. Wenn alle zum Abschied einen Apèro machen, fällt es auf, wenn das jemand nicht tut – was jedoch legitim ist. Ich empfehle, dass man sich von den Menschen, mit denen man direkt zu tun hatte, persönlich verabschiedet. Um sich dann von der ganzen Organisation zu verabschieden kann das auch in anderer Form sein, zum Beispiel eine Abschieds-Email. Vorteilhaft ist es auf jeden Fall auch nach dem Austritt in Kontakt zu bleiben, denn wer weiss, was es in Zukunft für Möglichkeiten gibt. 

Sonderfall Probezeit: Was, wenn ich gleich am Anfang schon wieder weg will? 
Die Probezeit ist für beide Seiten dazu da, herauszufinden, ob es passt. Und wenn das nicht der Fall ist, greift das gute alte Sprichwort: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.

Welchen Rat haben Sie für alle, die gern kündigen würden, aber sich nicht trauen? 
Hab keine Angst davor die eigene Kündigung einzureichen. Nervosität ist normal, du lässt deinen Arbeitgeber aber nicht in Stich. Viele meinen das, was ja auch lobenswert ist. Jedoch haben die eigenen Bedürfnisse in diesem Moment Vorrang und da sollte jede Mitarbeiterin sich selbst treu sein. 

Lotte Elderhorst

Lotte Elderhorst war Jahre lang im Human Resources tätig bevor sie sich als Business- und Karrierecoach selbständig gemacht hat. Als Coach begleitet sie Angestellte auf alle Ebenen durch Veränderungs- und Entwicklungsprozesse und bei beruflicher Neuorientierung. Ihr Coaching bietet Lotte Elderhorst in Zürich oder online an. Wenn es um Themen rund um Stress und Resilienz geht, arbeitet sie bevorzugt mit ihren Kundinnen und Kunden draussen in der Natur.

Weitere Informationen erhalten Sie auf lotte-elderhorst.ch oder per E-Mail an mail@lotte-elderhorst.ch


 

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Stefanie Zeng ist Online Redaktorin bei Miss Moneypenny. 

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