Teamevent

Hier kommt ihr nur zusammen wieder raus

Die Escape Games kommen aus Japan und waren zunächst als Livespiel-Spass für Freunde und Familien gedacht. Mittlerweile sind sie als Teamevent für Firmen etabliert – denn um das Spiel zu gewinnen, muss jeder seine Fähigkeiten einbringen. Und von dem Erlebnis erzählt so manches Team noch Wochen später.

Die Tür fällt zu, das Licht ist schummerig, spannungsfördernde Musik setzt ein – und die Zeit läuft: Das Spiel beginnt direkt mit einem Adrenalinkick. Das ist passiert: Ein Team wird in einem Raum eingeschlossen, der vollgestellt ist mit Gegenständen, die erkundet werden müssen. Denn überall im Raum sind Hinweise und Rätsel versteckt, die man gemeinsam knacken muss. Da sieht man zum Beispiel einen Schlüssel in einem Gefäss aufblitzen, aber die Öffnung ist vergittert. Wo ist das Werkzeug, das hier weiterhilft? Und welches Werkzeug könnte das überhaupt sein? Dann: Ein Zahlencode öffnet ein Schloss, ein Schlüssel einen Schrank – und darin finden sich neue Gegenstände, die es zu kombinieren gilt, um den nächsten Hinweis zu bekommen. Wenn alle Rätsel innerhalb einer Stunde gelöst werden, öffnet sich die Tür in die Freiheit.

Escape Games haben ihren Ursprung in der Videospiel-Szene. Die ersten Livespiele kamen 2008 in Japan auf – heute befinden sich die Epizentren dieser Spielkultur ausserdem in den USA und vor allem in Osteuropa. Sie sind ein anspruchsvoller Spass für Rätselfans, aber viele Firmen haben sie auch schon für das Teambuilding entdeckt. Was sie so beliebt macht, ist schnell gesagt: wenig Theorie, viel Action.

Der Anbieter Adventure Rooms zum Beispiel hat Spielstätten in Bern und mehreren anderen Städten, die meisten von ihnen in Gewölbekellern. Wer sich darauf einlässt, findet sich zu Beginn des Spiel zunächst mit Handschellen an seine Kollegen gekettet wieder. Die erste Aufgabe ist also, alle Schlüssel zu finden, um einander zu befreien. Doch dann geht es erst richtig los.

Fantasie und Geschicklichkeit

«Die Rätsel sind sehr verschieden. Manchmal ist mehr Geschicklichkeit gefragt, manchmal mehr Fantasie, manchmal Gründlichkeit», erklärt Gabriel Palacios, Inhaber von Adventure Rooms. «Einer alleine könnte sie nicht lösen.» Die meisten Rätsel in seinen Escape Rooms basieren auf physikalischen Phänomenen – «aber natürlich muss man nicht Physik studiert haben, um sie zu lösen. Es geht einfach ums Kombinieren». Viel mehr kann man darüber zunächst nicht verraten, ohne zu spoilen.

Typisch für Escape Rooms ist jedenfalls, dass sie meist einem Motto gewidmet sind, das eine Art Rahmenhandlung schafft. «So braucht es nur wenige Minuten und die Teilnehmer sind voll drin», hat Gabriel Palacios beobachtet. «Das ist wie in einem Theaterstück.»

Ein Clou bei solchen Themenräumen ist es, herauszufinden, welche Gegenstände zur Rätsellösung beitragen und welche nur Dekoration sind. So wie bei Breakout Basel, für das der Gründer Alex Bammerlin das Gefängnis Bâlecatraz eingerichtet hat, aus dem es auszubrechen gilt. Die Gruppe betritt hier durch ein selbstöffnendes Tor den Gefängnishof und wird zur Einstimmung direkt in Häftlingskleidung gesteckt. Hier geht die Rätselreise durch mehrere vergitterte Räume. Doch bevor man gemeinsam die Flucht planen kann, muss zuerst ein Teamkollege befreit werden, der zu Beginn an einen elektrischen Stuhl gekettet wurde – der natürlich nicht wirklich unter Strom steht, wie Alex Bammerlin beteuert.

Kameras überwachen Spielverlauf

«Das Spiel spricht auch die Sinne an: sehen, fühlen, riechen. Der Umgang mit Sprache kann wichtig sein», erklärt Alex Bammerlin. Auf echte Sprachrätsel verzichtet er aber: «In Escape Rooms in den USA werden oft Rätsel mit Wortspielen eingesetzt, aber das ist selbst für die Muttersprachler sehr kompliziert und führt oft in die Irre. In Bâlecatraz ist eher Outside-the-Box-Denken gefragt.» Den Spielverlauf kann er auch mit  verschiedenen Schwierigkeitsgraden auf die Erfahrung der Gruppe abstimmen, und man kann vorher festlegen, ob man vom Spielleiter Tipps erhalten möchte, wenn man nicht weiterkommt. Alle Räume sind nämlich mit Kameras ausgestattet, die ein Supervisor im Blick hat, der darauf achtet, dass der Spielfluss nicht ins Stocken gerät.

Als neuen Service für Firmenevents kann man bei Breakout Basel optional auch einen externen Coach dazu buchen. Dieser verfolgt dann das Spiel mit dem Spielleiter und gibt danach professionelles Feedback an die Gruppe. Ebenfalls möglich ist ein Coaching zum Beispiel für mehrere Abteilungen, bei dem sich die Gruppen mit Spielzeit und Seminarzeit abwechseln. Das eignet sich auch für grössere Gruppen, denn mehr als sechs Personen auf einmal können nicht in einen Raum.

Beste Strategie: Einfach loslegen

Damit man möglichst schnell auf die Hinweise stösst, rät Vladimira Scheidegger, Inhaberin von Zürich Escape: «Am besten ist es, wenn man einfach sofort loslegt: Dinge anfassen, umdrehen, durchsuchen – und den anderen immer mitteilen, was man gerade gesehen hat. Wenn man die Hinweise gefunden hat, erklären sich die Rätsel von selbst.» Sie bietet mehrere verschiedene Themenräume an: Im Room of Rebel wird die Stube von Wilhelm Tell erkundet – und ohne zu viel zu verraten: Armbrustschiessen steht hier nicht auf der Liste der benötigten Fähigkeiten, die Sicherheit muss natürlich gewährleistet sein. In einem anderen Raum schlägt man sich durch einen Dschungel auf der Suche nach Futter für einen hungrigen Tiger, der den Ausgang bewacht. Am Ende jedes Spiels steht statt eines Schlüssels ein grosses Endrätsel, «wenn das gelöst wird, öffnet sich die Tür automatisch».

Zudem bietet Zürich Escape auch Spiele an anderen Stellen in der Stadt an: Bei den Escape Missions treten dann zwei Teams im Duell gegeneinander eine Jagd nach Hinweisen an. Ihre Ziele sind dabei öffentlich zugängliche Orte, die mit Rätseln gespickt sind – welche Orte das genau sind, wird natürlich nicht verraten. Die Themen dieser Missionen sind zum Beispiel «Schatzsuche des Mafiabosses» oder «Invasion der Aliens».

Versteckte Talente

«Diese Duelle sind besonders spannend und nach dem Spiel kann man sich noch in unserem Café über die Aufgaben austauschen», erklärt Vladimira Scheidegger. «Manche reden sogar noch wochenlang darüber, welche Ideen jemand hatte und wer dann den entscheidenden Hinweis gefunden hat.» Es komme auch vor, dass nachdem eine Firmenabteilung aus dem Escape Room zurückgekommen ist, sich aus demselben Unternehmen gleich die nächste Gruppe anmelde.

Gabriel Palacios hat zudem beobachtet: «Es passiert oft, dass bei so manchem Teilnehmer versteckte Talente zum Vorschein kommen und sich auch vermeintliche Aussenseiter plötzlich profilieren können.» Das schönste sei aber, «dass man am Ende darauf zurückschauen kann, dass jeder etwas beigetragen hat».

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