Porträt

Die Kommunikative

Sandra Patricia Kunz bringt als Head CEO Office bei Ricola nicht nur ihre Assistenzfähigkeiten, sondern auch ihre Kommunikationskompetenzen ein.

 

«Sandra Kunz, Sie sind Head CEO Office bei Ricola. Wieso fehlt bei Ihrem Jobtitel der Begriff Assistenz?», frage ich unverblümt bei unserem Porträttermin. Kunz lacht und erklärt: «Anfangs war meine Funktionsbezeichnung noch Executive Assistant CEO. Nach einer internen Unternehmensreorganisation fand mein Vorgesetzter: ‹Deinen Titel müssen wir ändern, du bist viel mehr als meine Assistentin.›» In der neuen Position als Head CEO Office führt Sandra Kunz zusätzlich auch das Team Corporate Communications Management und ist mitverantwortlich für die Unternehmenskommunikation. «In Tat und Wahrheit bin ich immer noch CEO-Assistentin einfach mit zusätzlichen Aufgaben und Kompetenzen», ergänzt Kunz, die seit 2019 bei Ricola arbeitet.

Fast gleichzeitig starteten CEO Thomas P. Meier und Sandra Kunz bei der Kräuterbonbons-Herstellerin im basellandschaftlichen Laufen. Gemeinsam erfuhren sie das gleiche Onboarding, das jeder Neuzugang im Unternehmen erfährt. Sie besuchten zuliefernde Kräuterbauern auf dem Hof, halfen bei der Feldarbeit mit und arbeiteten in der Produktionsstätte am Fliessband. «Bei Ricola leben wir eine Unternehmenskultur, in der alle Mitarbeitenden gleich sind. Einzig die Aufgaben unterscheiden sich.» Diese Tradition bei Stellenantritt helfe nicht nur, das Eis zwischen den ­Hierarchiestufen zu brechen, sondern vermittle einem Mitarbeitenden, der normalerweise im Büro sitzt, wie die Produktionsarbeit ist. «Ein Knochenjob», weiss Sandra Kunz nun aus eigener ­Erfahrung. Umso grösser ist ihre Achtung für die Leistungen der Produktionsmitarbeitenden.

Persönlich

Das wollte ich als Kind werden

Lehrerin oder in einem Hotel arbeiten.

Das hat mich geprägt

Eine siebenmonatige Reise durch Mittel- und Südamerika – alleine. Meine ­Eltern waren zu Beginn über mein ­Vorhaben nicht sehr erfreut.

Da muss ich lachen

Sonnenschein, Erinnerungen, Freunde, Familie

Darüber ärgere ich mich

Über fehlende Wertschätzung, Faulheit und darüber, dass jemand weniger ­einbringt, als ihm möglich ist.

Dafür habe ich einmal viel Mut gebraucht

Öfter auf mein Herz zu hören.

Das möchte ich gerne lernen

Richtig gut wakeboarden.

Diese Person würde ich gerne kennenlernen

Nik Hartmann.

 

Unternehmenskommunikation

Die Woche im Produktionswerk beeinflusst bis heute Sandra Kunz’ Arbeit, die nur teilweise etwas mit dem klassischen Jobbeschrieb einer Assistentin gemein hat. Denn die CEO-Assistentin arbeitet für einen modernen CEO, der Termine und Flüge zuweilen auch eigenständig organisiert. Sandra Kunz kümmert sich derweilen um die interne Kommunika­tion. Die 30-Jährige verantwortet die firmeninternen Kommunikationskanäle wie Intranet, Webseite und Newsletter sowie die Social-Media-Kanäle. Zur ­Unternehmenskultur gehöre eine offene, direkte Kommunikation. «Wichtig bei der internen Kommunikation ist mir, dass wir eine Sprache verwenden, die unsere Mitarbeitenden auch verstehen», erklärt Kunz. Für Ricola arbeiten weltweit rund 500 Menschen aus insgesamt 24 Nationen mit unterschiedlichen Bildungshintergründen. Damit alle Mitarbeitenden barrierefrei auf die Informationen zugreifen können, benutzt Ricola eine App, die intuitiv funktioniert und möglichst viele erreicht. «Lange Papiere werden kaum gelesen, hingegen wird ein Kurzvideo auf dem Smartphone gerne angeschaut.» So wende sich der CEO beispielweise seit Pandemiebeginn ­jeden Monat mit Video-Statements an die Belegschaft. «Diese offene Kommunikation wird sehr geschätzt und schafft Nähe, unabhängig davon, ob die Mitarbeitenden im Werk oder im Homeoffice arbeiten», sagt Kunz.

Apropos Homeoffice: Dezentrales ­Arbeiten ist bei Ricola ein Teil der Unternehmenskultur. «Einige unserer Mitarbeitenden in den Bereichen Marketing und Verkauf leben im Grossraum Zürich. Jeden Tag nach Laufen zu pendeln, macht im Hinblick auf die digitalen Möglichkeiten wenig Sinn», erklärt die ­Zürcherin Kunz, die selbst diese Möglichkeit für sich nutzt. In ihrer Position sei es wichtig, mindestens an zwei bis drei Tagen im Büro zu sein, um ihren Vorgesetzten bestmöglich zu unterstützen, gerade in Zeiten, wo nicht alles nach Plan laufe.

Wertschätzendes Arbeitsklima

Die pandemiebedingten Wirtschaftseinbussen machen auch dem Vorzeigunternehmen – Ricola ist in der Schweiz die Marke mit dem grössten Renommee (laut Brand Reputation Study 2021) – zu schaffen. Mit dem Umsatzdruck klarkommen zu müssen, ist für Sandra Kunz neu, weil ihre bisherigen Arbeitgeber nicht umsatzgetrieben waren. Die Assistentin nimmt wie schon vieles in ihrem Leben auch diese Herausforderung aber sportlich. «Ich sehe es als ein Learning für meine persönliche Entwicklung.»

Wo kann ich den grössten Input bringen?

Sich weiterzuentwickeln, ist der jungen Assistentin mit dem bereits gut gefüllten Rucksack an Arbeitserfahrung besonders wichtig. Ehrgeiz bei der Arbeit ist für Kunz nicht negativ konnotiert. Geprägt hat sie die Einstellung ihres Vaters, der zu sagen pflegte: «Von nichts kommt nichts.» Diese Maxime zieht sich durch ihr Leben. Angefangen vom ersten Jobangebot, das sie als 18-Jährige nach Basel führte, über eine Südamerikareise ohne Plan und Ziel – die zur Einsicht führte, dass das strukturlose In-den-Tag-Leben nichts für sie ist – bis zur Erkenntnis, dass es vor allem als junge Assistentin wichtig ist, für sich selbst und die eigenen Überzeugungen einzustehen.

Ein prägender Moment in ihrer beruflichen Laufbahn war die Kündigung ihres Chefs vor den Augen aller Anwesenden im Grossraumbüro. «Da wusste ich sofort, hier will ich nicht bleiben, und habe meine Konsequenzen gezogen.» Sandra Kunz war damals erst 22 Jahre alt. Es seien Erlebnisse wie diese, die dazu führten, noch mehr auf ihr Herz zu hören und sich auf ihr Gespür für Menschen zu verlassen. «In einem wertschätzenden Arbeitsumfeld kann ich mich selbst sein. Meine vielen Ideen frisch von der Leber weg erzählen und zusammen mit einem Team kreative Lösungen entwickeln», sagt Kunz. Gelebte Wertschätzung, das ist es, was sie motiviere, in ihrem Job mehr als 100 Prozent zu geben. «Der Assistenzjob bringt so viele unterschiedliche Aufgaben mit sich. Man muss nur die Augen offenhalten und sich selbst fragen: Wo kann ich den grössten Input bieten?» Für die 30-Jährige hat die Reise im Bereich Kommunikation erst begonnen. «Ich kann noch so viel lernen und bei Ricola habe ich die Chance dazu. Egal wie viele Weiterbildungen ich mache, am Ende sammle ich die wertvollsten Erfahrungen bei der ­Arbeit.»

Sandra Patricia Kunz

wächst in Urdorf (ZH) als älteste von drei ­Geschwistern auf. Nach der Sekundarschule ­absolviert sie die kaufmännische Grundausbildung bei der Bank J. Safra Sarasin in Zürich. Mit 18 Jahren bekommt sie bankintern ein Jobangebot. Sie zieht von zu Hause aus, um als ­Assis­tant to Head Private Banking in Basel zu ­arbeiten. 2013 kehrt sie nach Zürich zurück und ­arbeitet erst bei der Schweizerischen Nationalbank und dann beim Schweizer Radio und Fernsehen. Bei Ricola in Laufen (BL) arbeitet Sandra Kunz seit 2019 als Head CEO Office. Die 30-Jährige ist ­Direktionsassistentin mit eidg. FA und hat sich in Digital Marketing, Business Communication und Corporate Communication ­Management weitergebildet. Sandra Kunz lebt in Zürich.

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