Interview

Die Erfolgsformel? «Zeig dich so, wie du bist!»

Wer in der Geschäftswelt auf sich aufmerksam machen will, kommt um Linkedin oder Xing nicht herum. Mit ihrem Dossier «Selfmarketing für die Assistenz» will Social-Web-Spezialistin Sonja Keller Unsicherheiten aus dem Weg räumen und zu mehr Sichtbarkeit auf Social Media verhelfen.

Wann und wieso haben Sie mit Selfmarketing angefangen?
2010 habe ich mich mit meiner Firma Kundendialog selbstständig gemacht. Um mein Netzwerk darüber zu informieren, musste ich aktiv werden. Es ging schliesslich darum, Kunden zu gewinnen.

Wieso ist virtuelle Kommunikation wichtig?
Es war noch nie so einfach wie heute, Personen direkt anzusprechen. Ich brauche weder eine E-Mail-Adresse, noch muss ich eine Webseite nach einer Telefonnummer durchkämmen. Ich kann über die Sozialen Netzwerke nach Name, Ortschaft und Fähigkeiten suchen. Das ist nicht nur genial, es geht dabei auch keine unnötige Zeit verloren und ich gerate direkt an die Person, die ich will.

Bedeutet Selfmarketing automatisch, dass es von einem selbst betrieben werden muss?
Wenn man sich als Person vermarkten will, ist es wichtig, authentisch zu sein. Das verliert sich, sobald eine Fremdperson für jemanden das Selfmarketing übernimmt. Allgemeine Beiträge zu Firmen und zu Angeboten können ausgelagert werden.

Also übernehmen Sie mit Ihrer Firma kein Personenmarketing auf Social Media?
Nein, Selfmarketing ist eine Aufgabe, die jeder für sich selber machen muss. Ich helfe meinen Kunden natürlich auf strategischer und technischer Ebene. Ich unterstütze sie mit Contentmarketing, recherchiere in ihrem Themensegment und texte Beiträge vor, die sie dann veröffentlichen. Das ist aber nur ein Zusatz zu ihren eigenen Aktivitäten. Content-marketing ersetzt niemals Selfmarketing.

Wie lautet die Erfolgsformel für sichtbares Selfmarketing?
Zeig dich so, wie du bist. Es gibt keine Zauberformel, denn jeder von uns ist anders. Wenn man es aber schafft, rüberzubringen, wer man ist und wofür man steht, ist man dem Erfolg schon sehr nahe.

Und was braucht es für mehr Sichtbarkeit?
Eine einfache Einstiegsmöglichkeit ist das Kommentieren von Posts. Man interagiert mit seinem Netzwerk, bedankt sich für Informationen und erhöht die eigene Sichtbarkeit bei den Kontakten derjenigen Personen, die einen Beitrag geteilt haben. Das ist ein erster Schritt, um sichtbar zu werden und dies mit wenig Aufwand. Der Faktor Zeit spielt sowieso eine grosse Rolle. Viele liken lediglich einen Beitrag, statt sich die Zeit zu nehmen, einen Kommentar zu schreiben. Sichtbarkeit gewinnt aber nur, wer Beiträge kommentiert.

«Zeig dich so, wie du bist. Es gibt keine Zauberformel, denn jeder von uns ist anders.»

Mit Ihrem Dossier wollen Sie Assistenzen zum Selfmarketing ermutigen. Wieso sollten Assistenzen Selfmarketing betreiben?
In der heutigen Arbeitswelt ist es ganz wichtig, sichtbar zu sein. Spätestens bei der Stellensuche ist ein gutes Netzwerk von grossem Vorteil. Wenn Arbeitnehmende aktiv auf Social Media sind, nützt dies auch dem Unternehmen. Die Firma wird sichtbarer und Aussenstehende werden auf die Angebote aufmerksam gemacht. Jeder Angestellte macht bewusst oder unbewusst Werbung fürs Unternehmen.

Fürs Dossier lancierten Sie eine Umfrage. Welche Aussagen überraschten Sie?
Es hat mich überrascht, dass von den knapp 130 Assistenzen, die mitgemacht haben, lediglich 37 Prozent Selfmarketing betreibt, obwohl fast alle ein Linkedin- oder Xing-Profil haben. Noch überraschender war, dass unter den Teilnehmenden fünf auf Stellensuche sind und nur eine Person offenlegt, dass sie auf Jobsuche ist. Das macht mich stutzig, denn über diese zwei Plattformen kann sehr gut nach Jobs gesucht werden.

Zu welchem Schluss sind Sie gekommen?
Gewisse Leute wollen einfach nicht gefunden werden oder sie schämen sich, offenzulegen, dass sie auf Stellensuche sind.

Wieso ist nur ein Drittel auf Social Media aktiv?
Die meisten wollen nicht öffentlich sichtbar sein. Der Witz ist aber, dass sie ein Profil haben. Das entbehrt jeglicher Logik. Die meisten wissen wohl zu wenig, was Social Media bewirken kann. Sie haben den Nutzen für sich noch nicht gefunden. Ich war motiviert, dieses Dossier zu schreiben, um Unklarheiten und Unsicherheiten aus dem Weg zu räumen.

Ist ein unregelmässig gepflegtes Profil gleichzusetzten mit für Headhunter nicht existent?
Bei Jobs, die vor dem Computerbildschirm ausgeführt werden, sicher. Da muss man einfach gefunden werden. Dass nicht jeder Gärtner oder Koch ein Profil braucht, ist klar. Aber auch in den Handwerksberufen wird Social Media immer wichtiger. Es gibt viele Arbeitnehmende, die eine ganze Reihe von speziellen Fähigkeiten anzubieten haben. Diese Leute bekommen wöchentlich Anfragen von Headhuntern. Oder Quereinsteiger, die in verschiedenen Arbeitsbereichen und Branchen Erfahrung gesammelt haben; diese erhöhen ihre Chancen, wahrgenommen zu werden.

Aller Anfang ist schwer … Wie schafft man die erste Hürde?
Zuallererst sollte man sich bewusst werden: Wer bin ich, was kann ich, was sind meine Stärken? Ist mein Profil einmal auf dem neusten Stand, bin ich auch bereit für Profilbesuche. Eine Möglichkeit ist, sein Profil mit demjenigen anderer Assistenzen zu vergleichen.

Nebst der Auffindbarkeit für Headhunter, wofür sind Netzwerke wie Linkedin und Xing sonst noch wichtig?
Vor allem für den Austausch untereinander. Vielleicht hat man einen Gruppenchat mit der Abteilung oder bekommt Einladungen für Events, an die man nur über diesen Weg kommt. Zudem wird man mit News versorgt. Alles, was ich wissen muss, bekomme ich über Social Media mit. Die Kontakte aus meiner Branche halten mich auf dem neusten Stand. Denn jeder von meinen Kontakten hat den Anspruch, als erster die Neuigkeiten aus seinem Bereich zu verbreiten. Eines Tages bin ich die Person, die einen Post verfasst und die News verbreitet, und dann werde ich interessant für andere werden.

Das hört sich alles nach schrecklich viel Arbeit an … Wann soll dafür noch Zeit gefunden werden?
Ein spannender Punkt. Auch in der Umfrage wurde der Faktor Zeit mehrfach erwähnt. Keine Zeit ist eine beliebte Ausrede. Von Xing und Linkedin gibt es ja auch Apps. Das Smartphone haben viele Leute immer zur Hand. Wenn ich im Zug sitze, schaue ich mir die Aktivitäten auf diesen Kanälen an, verschicke Nachrichten und kommentiere Beiträge. Das ist schnell gemacht und eine Frage der Gewohnheit. Aber sicher, wenn ich strategisch etwas mit meinem Profil erreichen will – sprich einen neuen Job finden oder eine weitere Karrierestufe erklimmen möchte –, dann muss ich mir eine Strategie zurechtlegen und mir Zeitfenster freihalten. Es ist wie beim Klavierspielen. Es braucht viel Übung, bis eine Melodie schön tönt. Wenn man einmal im Monat einen Beitrag bzw. einen Post erstellt und zwischendurch andere Beiträge kommentiert, gilt man bereits als aktiver Nutzer. Wichtig ist die Regelmässigkeit. Mein Tipp: immer ein bisschen.

Zur Person

Sonja Keller ist seit 2010 selbstständige Social-Web-Spezialistin – kundendialog.ch. Sie entwickelt Social-Media-Auftritte und Content-Strategien für ihre Kunden und bietet Selfmarketing-Workshops an.

Neues Dossier

Für Ratschläge hat Sonja Keller das Dossier «Selfmarketing für die Assistenz» erstellt. Es ist eine Anleitung für die Social-Media-Kanäle Linkedin und Xing – angefangen von der Profil-erstellung übers Vernetzen bis hin zum Gefundenwerden.

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