Social Media

Social-Media-Etikette: Gutes Benehmen im Web

Würden Sie in der S-Bahn lauthals verkünden, was die Kollegin wieder Doofes im Team-Meeting gesagt hat? Natürlich nicht. Sie wissen schliesslich, was sich gehört. Was im analogen Alltag selbstverständlich ist, sieht auf Social Media jedoch manchmal anders aus.

Dabei ist es auf Social Media genauso wie im richtigen Leben wichtig, sich angemessen zu verhalten – ob man nun den beruflichen Account pflegt oder den privaten. Denn in den sozialen Medien bewegen sich reale Menschen und entsprechend reagieren sie auf Sie. Doch anders als im richtigen Leben ist es auf Facebook und Co. viel leichter, ins Fettnäpfchen zu treten: Weil wir unser Gegenüber nicht sehen, lassen wir uns eher zu einer Äusserung verleiten, die wir uns von Angesicht zu Angesicht vielleicht verkneifen würden. Und: In den sozialen Medien zu posten und zu kommentieren, ist, wie wenn man durch ein Megafon sprechen würde – soziale Medien wirken als Verstärker. Es lesen nämlich sehr viele Leute mit, Menschen, an die wir zum Zeitpunkt einer unbedachten Äusserung vielleicht gar nicht denken. Youri Sawerschel, Personal-Branding-Experte und Gründer der Markenstrategiefirma Creative Supply, sagt deshalb: «Posten Sie auf Social Media nur, was Sie auch in einem Raum voller Leute sagen würden.»
Es lesen aber nicht nur längst vergessene Bekanntschaften mit: Gemäss einer Umfrage, die im Auftrag des Digitalverbandes Bitkom im Juni 2018 unter deutschen HR-Verantwortlichen durchgeführt wurde, informieren sich zwei von drei Unternehmen über Stellenbewerbende auch in den sozialen Netzwerken. «Im Fokus stehen dabei vor allem beruflich ausgerichtete Plattformen wie Xing oder Linkedin (53 Prozent), gefolgt von eher privat ausgerichteten sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Instagram (30 Prozent)», heisst es dort. Die Tendenz ist steigend: Im Jahr 2013 waren es 23 Prozent der Firmen, die sich auf den Onlineprofilen der Bewerbenden umsahen, 2015 waren es bereits 46 Prozent. In der Schweiz wird es ähnlich sein. Auch wenn fachliche Qualifikation und Äusserungen zu Fachthemen im Fokus der Recruiter bei ihrer Netzrecherche stehen, so haben gemäss Umfrage doch etwa ein Viertel aller Personaler Stelleninteressenten wegen bestimmter Inhalte nicht zum Gespräch vorgelassen – denn auch Hobbys und private Aktivitäten der Bewerbenden werden angeschaut.

Ein Post auf Social Media ist, wie durch ein Megafon zu sprechen.

Sich bewusst um seine Onlinepräsenz zu kümmern und sich an die Social-Media-Etikette zu halten, ist deshalb karrieretechnisch genauso wichtig, wie im richtigen Leben korrekt gekleidet zum Bewerbungsgespräch zu erscheinen. Das Wort Etikette stammt übrigens aus dem Französischen und steht für die Gesamtheit der höflichen Umgangsformen. Diese Bedeutung verdankt das Wort dem Usus am französischen Königshof zu Zeiten von Ludwig XIV., den Höflingen Zettel («étiquette») an die Kleidung zu heften, auf denen ihr Rang verzeichnet war. Der Rang bestimmte, wie sich die Höflinge gegenüber dem König, aber auch untereinander zu verhalten hatten. Deshalb sprechen wir auch heute noch von Etikette, wenn wir höfliches Benehmen meinen.

Doch was sind nun die wichtigsten Regeln in den sozialen Netzwerken?

Profil up to date halten

Immer mehr Recruiter schauen sich anstelle des CVs das Profil bei Linkedin oder Xing an oder suchen sogar aktiv über diese Plattformen nach neuen Mitarbeitenden. Es ist deshalb wichtig, dass Sie Ihr Profil up to date halten. Wenn Sie auf beruflichen Plattformen posten und kommentieren, ist es auch hilfreich, Ihrem Netzwerk wertvollen und nützlichen Content zu bieten, sagt Personal-Branding-Experte Youri Sawerschel. «Fragen Sie sich dabei: Was ist mein ‹Anker›? Das heisst, worum geht es bei mir und wofür stehe ich? Ihre Botschaften sollten dann um diesen Anker kreisen.» Entsprechend können Sie sich klar positionieren und konsistent kommunizieren. Und profitieren: Denn so bauen Sie sich Ihren Personal Brand auf, Ihre unverwechselbare Eigenmarke, und werden von Ihrem Netzwerk sowie von künftigen Arbeitgebern als Experte auf Ihrem Gebiet wahrgenommen. Das eröffnet Ihnen bei einem Jobwechsel ganz andere Perspektiven, als wenn Sie klassisch vorgehen.

Social-Media-Guidelines

Etwa 90 Prozent der Schweizer Firmen sind in den sozialen Medien aktiv und den meisten, wenn nicht sogar allen, ist klar, dass ein guter Ruf online sich in besserer Kundenbindung und höheren Umsätzen niederschlägt. Entsprechend haben Firmen Verhaltensregeln für ihre Mitarbeitenden in den sozialen Medien formuliert, um diesen guten Ruf zu schützen. Gängige Regeln sind etwa:

– Stellen Sie klar, dass Sie nicht für das Unternehmen sprechen, sondern dass es sich bei Ihren Äusserungen um Ihre private Meinung handelt.
– Behandeln Sie Firmeninterna vertraulich – diskutieren Sie darüber nicht in den sozialen Medien oder in Chats.
– Äussern Sie Kritik am Unternehmen intern und nicht in den sozialen Netzwerken.

Falls Sie keine Einführung in die Social-Media-Guidelines Ihrer Firma erhalten haben, sehen Sie sich im Intranet um oder fragen Sie Ihren Social-Media-Verantwortlichen. Sich an die Guidelines Ihres Unternehmens zu halten, hilft Ihrer Firma, aber auch Ihnen, denn es beweist Ihre Professionalität – auch gegenüber künftigen Arbeitgebern.

Keine Werbung, sondern PR

Wer sich seinen Personal Brand aufbauen möchte und im Hinblick darauf in den sozialen Netzwerken postet und kommentiert, sollte den Unterschied zwischen Werbung und PR kennen. Youri Sawerschel sagt dazu: «Angenommen, Sie haben einen Workshop durchgeführt und posten, wie toll Sie als Workshopleiter waren – dann ist das Werbung. Wenn jedoch Ihr Kunde erzählt, was für einen grossartigen Job Sie gemacht haben, dann ist das PR. PR ist in jedem Fall besser. Die Botschaft ist zwar die gleiche, aber der Botschafter ist ein anderer.» Auch wenn es ganz in Ordnung sei, hin und wieder einen Post abzusetzen, in dem Sie sich selbst loben – zum Beispiel, wenn Sie einen wichtigen Meilenstein in Ihrem Berufsleben erreicht haben –, sei es grundsätzlich besser, wenn andere diesen Job für Sie erledigen. Denn so wirke es glaubwürdiger. Vergessen Sie jedoch nicht, im Gegenzug auch über die Leistungen anderer zu berichten. 
Zu guter Letzt: Bleiben Sie entspannt. Sie haben bestimmt auch schon aufgebrachte Kommentare von Freunden oder Bekannten auf Facebook und Co.  gelesen oder sogar regelrechte Fehden verfolgt, die in den sozialen Netzwerken ausgetragen werden. Das ist zwar für Aussenstehende amüsant, aber auf die Betroffenen selbst wirft es nicht unbedingt ein gutes Licht. Deshalb sollten Sie nicht posten oder auf Kommentare antworten, wenn Sie beispielsweise einen schlechten Tag im Büro hatten und aufgebracht sind. Lassen Sie sich Zeit und atmen Sie durch, bevor Sie auf etwas reagieren. Warren ­Buffett, der berühmte amerikanische Unternehmer, hat gesagt: «Es dauert 20 Jahre, sich eine Reputation zu erarbeiten, und fünf Minuten, sie zu ruinieren.» In den sozialen Netzwerken könnte das sogar noch schneller gehen.

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Jelena Martinelli ist selbstständige Texterin bei martinellitext. Sie schreibt leidenschaftlich gerne Blogs und Publireportagen und auch sonst alles, was mit Online-Marketing zu tun hat.

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