Ein leerer Bauch studiert nicht gerne
Die Zeiten, in denen Unternehmen zwischen Kantine und gar nichts wählen konnten, sind vorbei. Heute gibt es für jede Firmengrösse und jedes Budget eine passende Verpflegungslösung. Doch welche ist «die richtige»? Ein Überblick über vier Modelle und welches zu welchem Unternehmen passt.
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Kantinen begleiten uns durch das ganze Leben: Schon in der Schule wird man von externen Anbietenden bekocht; mal mehr, mal weniger gut. Auch im Arbeitsleben spielt Verpflegung eine zentrale Rolle und kann von einem Arbeitgeber als guter Fringe Benefit genutzt werden. Denn die Mitarbeiterverpflegung hat sich seit unserer Schulzeit stark gewandelt. Es gibt nicht mehr nur den Schokoriegel-Automaten, die Mensa und das Znünibrot, sondern eine Bandbreite an Möglichkeiten, um gut verpflegt durch den Tag zu kommen.
Kühlschrank, Küchenchef und Co.
Eine etwas neuere Möglichkeit sind die Kühlschränke mit frischen Nahrungsmitteln, die regelmässig aufgefüllt werden. Anbieterinnen und Anbieter sind mannigfaltig: Neben «FELFEL»/«Usego», «Boostbar» und «gustav» gibt es beispielsweise bei «SOUVY» Mahlzeiten im Beutel, die sous-vide gegart sind und im Wasserbad wieder erwärmt werden können. Die Firma «noury» bietet ein ähnliches Konzept, allerdings mit Erwärmung im Steamer.
Colin Häusler, Managing Director von Boostbar, bietet Einblick in ihr Business-Konzept, das ganze fünf Ausführungen ihrer Smart Fridges umfasst: vom Boostbar Kiosk mit Snacks und Getränken für etwa 50 Personen bis hin zum Boostbar Market mit Mittagsmenüs, Kaffeestation und Zvieri-Snacks für etwa 150 Personen. Die Verpflegungsoptionen sind bewusst regional und sollen allen Anspruchsgruppen gerecht werden. «Mehr als 75 Prozent unserer Produkte kommen aus der Schweiz, über 25 Prozent sind gesünder als konventionelle Alternativen und mehr als ein Viertel unserer Menüs sind vegetarisch oder vegan», fasst Häusler ihr Sortiment zusammen.
Auch die SV Group bietet mit «gustav» Smart Fridges an: «Der grosse Vorteil liegt in der Kombination aus smarter Technologie, flexibler Sortimentsgestaltung und minimalem Aufwand für das Unternehmen.» Durch das digitale Bezahlsystem und transparente Warenbewirtschaftung könne das Angebot laufend angepasst werden. Die Befüllung erfolge durch eigene Teams, der Lieferrhythmus richte sich nach Verbrauch und Standortgrösse.
Besonders bekannt ist die SV Group aber durch ihre Personalrestaurants und Schulkantinen. Die klassische Betriebskantine bleibt nach wie vor eine bewährte Lösung, allerdings für Unternehmen mit einer gewissen Grösse. «Bei einem klassischen Personalrestaurant macht ein Küchenchef, der frisch kocht, ab 100 Hauptmahlzeiten pro Tag Sinn», erklärt Dominik Baumann, Head of Corporate Communications bei der SV.
Eine Herausforderung für Kantinenbetreiberinnen und -betreiber sind schwankende Frequenzen. «Zahlreiche Unternehmen setzen wieder vermehrt auf physische Präsenz mit einem oder zwei Homeoffice-Tagen», berichtet Baumann. «Die Schwierigkeit besteht vor allem dann, wenn diese Homeoffice-Tage bei allen Mitarbeitenden auf den gleichen Tag fallen.» Hier ist eine gute und zumindest teilweise flexible Planung unabdingbar.
Möchte man das umgehen, sehen sowohl Baumann als auch Häusler die Verpflegungsautomaten als gute Alternative: «Wächst ein Unternehmen, kann die Lösung jederzeit angepasst werden. Schrumpft es, geht der Weg auch zurück. Das macht die Lösung besonders interessant für Unternehmen mit schwankender Büropräsenz», fasst Häusler zusammen.
Flexibilität als Benefit
Die wohl flexibelste Lösung für die Verpflegung von Mitarbeitenden sind Essensgutscheine; ein Modell, das sich für Unternehmen jeder Grösse eignet. «Ab der ersten Person lohnt sich Lunch-Check bereits und sie kann im Homeoffice, für den Kühlschrank vor Ort oder den Restaurant-Besuch eingesetzt werden», erklärt Manuela Gehrig, COO von Lunch-Check. Sie sieht hier den grössten Vorteil dieser Verpflegungsoption.
Im Gegensatz zu Barspesen oder Lohnerhöhungen sparen sich Arbeitgebende und Mitarbeitende den Anteil an Sozialversicherungen. Zudem sind die Beiträge bis zu 180 Franken pro Monat steuerbefreit. Zahlungen auf die Lunch-Check-Karten können nach Wünschen der Arbeitgebenden in der Höhe, der Regelmässigkeit und der Ladevariante gewählt werden; unabhängig davon, ob der Beitrag als regelmässiger Benefit oder als Subvention, wie bei einer Kantine, abgegeben wird. «Der Grossteil unserer Kundinnen und Kunden gibt die Lunch-Check-Beiträge jedoch als Benefit ab, der zu 100 Prozent vom Arbeitgeber getragen wird», weiss Gehrig.
Dass es sich mit leerem Magen nicht gut arbeiten lässt und Verpflegung deshalb eine wichtige Zusatzleistung ist, weiss auch Rebecca Streubel, Leiterin Payroll & HR-Administration bei der Tom Talent Management AG. Diese beschäftigt seit 2013 für ihre Mitarbeitenden einen eigenen Koch. «Wir betrachten den persönlichen Touch mit der Person, welche für uns kocht, als einen Mehrwert», sagt Streubel.
Die Vorteile liegen auf der Hand: Flexibilität bei der Menügestaltung, freie Wahl der Lieferanten und die Möglichkeit, gezielt auf Nachhaltigkeit zu setzen. «Wir legen den Fokus auf biologische Produkte und wo möglich aus regenerativer Landwirtschaft», erklärt Streubel. Auch Food Waste lasse sich gut kontrollieren, da Überreste am Freitag aufgekocht oder von Mitarbeitenden mitgenommen werden können. Das Essen ist für die 60 Mitarbeitenden, die direkt am Standort arbeiten, kostenlos.
Allerdings bringt das Modell auch eine nicht zu unterschätzende Zusatzaufgabe mit sich: «Eine der grössten Herausforderungen ist die Sicherstellung einer zuverlässigen Stellvertretung», sagt Streubel. Besonders bei kurzfristigen Ausfällen müsse sehr rasch reagiert werden. Zudem sei ein konsequentes Anmeldemanagement zentral, um Food Waste zu vermeiden. Bei extremen Situationen, wie während Corona, stosse das Modell an seine Grenzen, denn ein Alleinkoch verursacht weiterhin Fixkosten.
Fazit
Die Mitarbeiterverpflegung ist längst mehr als eine organisatorische Frage, sie ist ein strategischer Hebel für Arbeitgebendenattraktivität und Unternehmenskultur. Die richtige Lösung hängt von Grösse, Arbeitsmodell und Anspruch ab, aber eines verbindet sie alle: Sie nehmen die Bedürfnisse der Mitarbeitenden ernst.
Als kleine Entscheidungshilfe haben wir die drei wichtigsten Fragen, die Sie sich bei der Wahl einer Lösung stellen sollten, zusammengefasst:
Für jede Firma das passende Modell
Grösse und Skalierbarkeit
Die Unternehmensgrösse ist oft der erste Filter. Während Essensgutscheine bereits ab einer Person funktionieren, macht eine klassische Kantine erst ab etwa 100 Mahlzeiten am Tag Sinn. Smart Fridges positionieren sich dazwischen – je nach Konzept ab 50 Personen. Ein eigener Koch rechnet sich typischerweise ab 50 bis 60 Mitarbeitenden.
Infrastruktur
Für Verpflegungsautomaten werden in der Regel ab zwei Quadratmeter Stellplatz, oder mehr, mit entsprechendem Steckdosenanschluss benötigt. Manche Modelle erfordern zudem auch eine stabile Internetverbindung. Eine klassische Kantine hingegen muss Lagerräume, Kühlzellen, Küche, Ausgabebereich, Essbereich und Garderoben haben. Wer diese Räume nicht hat, kann auf Anliefermodelle ausweichen, bei denen das Essen extern produziert und vor Ort nur aufbereitet wird. Essensgutscheine benötigen gar keine Infrastruktur.
Aufwand für die Assistenz
Der administrative Aufwand unterscheidet sich massiv. Bei Essensgutscheinen beschränkt er sich auf die Anpassung des Personalreglements, danach läuft alles automatisch. Smart Fridges im Full-Service-Modell übernimmt der Anbieter komplett und auch Kantinen werden in der Regel extern bewirtschaftet, wodurch der interne Aufwand gering bleibt. Anders beim eigenen Koch: Hier kommen Personalführung, Stellvertretungsplanung und Anmeldemanagement hinzu.