Corporate Social Responsibility

Kurz die Welt retten

Vom Grosskonzern bis zum KMU unterstützen Firmen die Aufforstung des Regenwaldes, engagieren sich für saubere Ozeane oder sagen Ja zur Ehe für alle. Aber ist es die Aufgabe von Unternehmen, die Welt zu retten?

Corporate Social Responsibility (CSR) ist in aller Munde, also das freiwillige soziale und ökologische Engagement von Unternehmen über die gesetzlichen Verpflichtungen hinaus – wie zum Beispiel die Reduktion des eigenen Plastikverbrauchs oder das aktive Fördern der Gesundheit der Mitarbeitenden. Jahrzehntelang lautete das Mantra der Wirtschaft aber ganz anders: «Die soziale Verantwortung von Unternehmen ist es, den Gewinn zu steigern.» Kein Wort davon, die Belegschaft den Wald aufräumen zu lassen oder mit Achtsamkeitsworkshops deren Wohlbefinden zu steigern. Diese enge Sicht darauf, wofür Firmen zuständig sind – also für die Aktionäre möglichst viel Geld zu scheffeln – stammt vom amerikanischen Wirtschafts­nobelpreisträger Milton Friedman und galt seit den 70er-Jahren lange Zeit als die einzig richtige.

Firmen im Glashaus

Heute, wo Klimawandel, Generation Greta und die sozialen Medien die Welt prägen, würde kaum mehr eine Firma sich pauschal zu dieser Aussage bekennen. Gemäss der Unternehmensberatung McKinsey finden neun von zehn Kunden der Generation Z, dass Unternehmen sich auch in gesellschaftlichen und ökologischen Belangen engagieren sollten. Junge Arbeitnehmende sind gegenüber Firmen mit einem sozialen «Purpose» loyaler; drei Viertel der Millennials würden sogar ein geringeres Gehalt in Kauf nehmen, um für ein sozial verantwortliches Unternehmen zu arbeiten. Zudem wollen Konsumentinnen und Konsumenten wissen, ob sie ein ehemals glückliches Rind auf dem Teller haben oder von Kinderhänden genähte Klamotten am Körper tragen. Laut McKinsey informieren sich 52 Prozent der Millennials, bevor sie ein Produkt kaufen oder eine Dienstleistung beziehen. Die Möglichkeiten sind dank Digitalisierung grösser geworden – Techfirmen wie das Schweizer Unternehmen Ambrosus helfen mit Sensoren und Blockchain-Technologie, Lieferketten transparent zu machen. Lebensmittel etwa lassen sich so vom Feld bis zum Teller tracken, Pes­tizide interessieren dabei genauso wie die CO2-Bilanz eines Erzeugnisses. Die Welt ist also nicht nur ein Treibhaus, sondern auch ein Glashaus geworden – wer das noch nicht gemerkt hat, hat schneller einen Shitstorm am Hals, als der Social-Media-Manager «Sweatshop» sagen kann. Wollen Unternehmen heute Erfolg haben, reicht der Fokus auf den schnöden Mammon deshalb nicht mehr aus.

Corporate Social Responsibility ist kein Nice-to-have mehr, sondern erfolgsrelevant.

Gesunde Umwelt, gesundes Geschäft

Es würde aber zu kurz greifen, den Unternehmen zu unterstellen, dass sie gewissenlos nur auf gutes Marketing schielen und CSR als Mittel zum Zweck einsetzen. Wobei «Greenwashing» natürlich vorkommt, also sich umweltfreundlicher darzustellen, als man ist, um umweltbewusste Kunden nicht zu verlieren. Trotzdem: Auch in den Chefetagen arbeiten Menschen, denen die Zukunft der Welt am Herzen liegt. Economiesuisse sagt zum Thema CSR: «Nachhaltigkeit ist die gemeinsame Basis, auf der Staaten und verantwortungsbewusste Unternehmen handeln: Wo Armut schwindet, wachsen Märkte. Wo Unternehmen auf qualifizierte und motivierte Arbeitskräfte zurückgreifen können, steigen Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit. Wo die Umwelt geschützt wird, können Ressourcen nachwachsen und Versorgungsrisiken sinken.» Oder anders gesagt: Nur wenn es Umwelt und Belegschaft gut geht, kann ­langfristig Geld verdient werden. Das finden übrigens auch vermehrt institutionelle Inves­toren – zum Beispiel BlackRock, mit 9,5 Billionen US-Dollar der grösste Vermögens-
verwalter der Welt (zum Vergleich: Deutschlands Bruttoinlandprodukt beläuft sich auf 3,8 Billionen US-Dollar, das der Schweiz auf 0,75 Billionen). BlackRocks CEO Larry Fink hatte letztes Jahr in einem offenen Brief vor den Gefahren des Klimawandels gewarnt und angekündigt, nicht mehr in Wertpapiere mit einem entsprechenden Risiko investieren zu wollen. So will BlackRock unter anderem kein Geld mehr in Kohleproduzenten stecken. «ESG» lautet neu das Kriterium bei Anlagen; Geld wird vermehrt in Firmen und Portfolios investiert, die «Environment, Social, Governance»-verträglich sind, also auf Umwelt, Soziales und verantwortungsvolle Unternehmensführung achten. Corporate Social Responsibility ist kein Nice-to-have mehr, sondern geschäfts- und erfolgsrelevant geworden. Firmen haben somit ein vitales Eigeninteresse daran, die Welt ein bisschen mitzuretten.

CSR im Klartext

Corporate Social Responsibility bedeutet, dass Unternehmen über ihre gesetzlichen -Verpflichtungen hinaus sozial und ökologisch nachhaltig handeln sollen. Aber was heisst das konkret? Die folgende Aufstellung gibt einen Überblick.

CSR im Unternehmen

Damit eine Firma erfolgreich ist, braucht sie qualifizierte und motivierte Mitarbeitende. Im «War for talents» müssen sich die Unternehmen mehr einfallen lassen als gute Gehälter und Karrierechancen. Ein auf die Mitarbeitenden fokussiertes CSR-Management kann zum Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitskräftemarkt werden.

Beispiele: Diversität, Lohngleichheit und -transparenz, Frauen in Führungspositionen, betriebliche Gesundheitsförderung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, mobil-flexibles Arbeiten.

CSR entlang der Wertschöpfungskette

Schweizer Unternehmen sind auch international tätig – z. B. in der Zusammenarbeit mit Zulieferern. In gewissen Ländern können sie mit Problemen konfrontiert sein wie fehlendem Umweltschutz, Kinderarbeit oder Korruption. Hier gilt es, sich entlang der Wertschöpfungskette für Nachhaltigkeit und soziale Verantwortung einzusetzen.

Beispiele: Einhalten von internationalen Standards (UNO, OECD, IAO), Zusammenarbeit mit Seco oder Labels wie Fairtrade, Sorgfaltsprüfung bei Lieferanten, Schulung von Mitarbeitenden.

CSR am Unternehmensstandort

Unternehmen sind Teil der Gesellschaft, in der sie tätig sind. Deshalb ist es auch im Interesse von Firmen, zu deren Funktionieren beizutragen. CSR-Initiativen am Unternehmensstandort sind für beide Seiten ein Gewinn.

Beispiele: Bildungsprojekte, Praktika für Jugendliche, Aktionen für den lokalen Umweltschutz, Corporate Volunteering, Kunst- und Sportsponsoring.

Kommentieren0 Kommentare

Jelena Martinelli ist selbstständige Texterin bei martinellitext. Sie schreibt leidenschaftlich gerne Blogs und Publireportagen und auch sonst alles, was mit Online-Marketing zu tun hat.

Weitere Artikel von Jelena Martinelli
Log in to post a comment.

Das könnte Sie auch interessieren