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«Rückblickend war dieser Schritt anspruchsvoll»

Nach einem CAS im Bereich Digital Office Management will Fabienne Nussbaumer mehr: die Arbeitsweise, die im Projektmanagement relevant ist, liegt ihr und sie möchte sich beruflich in diese Richtung weiter entwickeln. Seit 2023 ist sie nun Project Management Officer. Sie berichtet, wie es ist, von der Assistenz ins Projektmanagement zu wechseln.

«2013 startete ich bei der AEW Energie AG als Assistentin des Leiters Geschäftsbereich Netze. In dieser Funktion war ich bereits in verschiedene Projekte eingebunden, insbesondere im IT-Umfeld. Dabei beschäftigten mich Fragen rund um die Digitalisierung, Optimierung und Weiterentwicklung von Prozessen. 

Zwischen 2021 und 2022 absolvierte ich das CAS Digital Office Management. Während dieser Weiterbildung wurde Projektmanagement erstmals auch fundiert theoretisch behandelt. Dabei wurde mir rasch klar, dass mir diese Arbeitsweise liegt; nicht als punktuelle Ergänzung, sondern als langfristige berufliche Perspektive. Die Ausbildung war für mich sozusagen der Wendepunkt und bestärkte meinen Wunsch nach fachlicher Weiterentwicklung. 

Mein damaliger Vorgesetzter unterstützte diesen Schritt und ermutigte mich, innerhalb des Unternehmens neue Entwicklungsmöglichkeiten zu prüfen. So kam der Kontakt zur internen IT-Abteilung zustande. In Gesprächen mit meinem heutigen Vorgesetzten analysierten wir gemeinsam, wie ich meine Kompetenzen gezielt erweitern könnte. 

Zu diesem Zeitpunkt arbeitete er an einer strategischen Neuausrichtung der IT und suchte Unterstützung in der Projektkoordination – konkret beim Aufbau eines Projektportfolios. Daraus ergab sich für mich eine neue Rolle, die ich mit grosser Motivation übernahm. Seit 2023 bin ich nun Project Management Officer bei der AEW Energie AG. 

Rückblickend war dieser Schritt anspruchsvoll, da ich zu Beginn noch keine Erfahrung im Aufbau eines Projektportfolios hatte. Die eigentliche Herausforderung lag jedoch weniger im Fachlichen als im Rollenwechsel. Bei einem internen Wechsel von der Assistenz ins Projektmanagement besteht die Gefahr, weiterhin primär in der bisherigen Rolle wahrgenommen zu werden. Für mich war deshalb eine klare Abgrenzung zentral. Es braucht den Mut, offen zu kommunizieren, dass man eine neue Verantwortung übernimmt und für frühere Aufgaben nicht mehr zur Verfügung steht. Diese Klarheit ist aus meiner Sicht entscheidend für einen erfolgreichen Rollenwechsel. 

Am Projektmanagement schätze ich die Vielfalt der Aufgaben und Themen. Jedes Projekt bringt neue Fragestellungen mit sich. Gleichzeitig kann ich meine Stärken im Strukturieren, Organisieren und Kommunizieren gezielt einsetzen und arbeite eng mit unterschiedlichen Abteilungen und Anspruchsgruppen zusammen. 

Um meine Rolle weiter zu professionalisieren, absolvierte ich das CAS Projektmanagement Advanced und bereitete mich parallel auf die Zertifizierung Certified Project Management Associate (CAPM) beim VZPM (Verein zur Zertifizierung von Personen im Management) vor. Die Kombination aus Weiterbildung und Zertifizierung war sehr anspruchsvoll und erforderte viel Engagement. Gleichzeitig ermöglichte sie mir, ein vertieftes theoretisches Verständnis dafür zu entwickeln, wie Projekte systematisch aufgebaut, gesteuert und abgeschlossen werden.  

Die intensive Auseinandersetzung mit der Theorie führte zu mehreren zentralen Erkenntnissen. Besonders prägend war das Thema Priorisierung: Eine klare Priorisierung entlastet Ressourcen und erhöht die Erfolgswahrscheinlichkeit von Projekten deutlich. 

Ein weiterer Aha-Moment war die Erkenntnis, weshalb firmeninterne Projekte häufig bereits kurz nach dem Start ins Stocken gerieten. Mir wurde bewusst, dass der Projektinitialisierung zu wenig Gewicht beigemessen wurde. In der Folge stärkten wir den ­Prozess vor Projektbeginn und legten einen klareren Fokus auf Zieldefinition und Ausgangslage.  

In meiner heutigen Funktion arbeite ich eng mit den Projektleitenden zusammen, tausche mich regelmässig mit ihnen aus und unterstütze sie bei projektbezogenen Fragestellungen. Sämtliche relevanten Projektinformationen laufen bei mir zusammen. Ich bereite sie auf und bringe sie in das Projektportfolio-Board ein. Damit übernehme ich eine zentrale Drehscheibenfunktion. Eine Rolle, die Parallelen zur Assistenz aufweist und von der ich bis heute profitiere. 

Die Fähigkeit, mit unterschiedlichen Persönlichkeiten umzugehen und sicher durch verschiedene Hierarchiestufen zu navigieren, ist klar ein Vorteil. Deshalb bin ich überzeugt, dass Assistenzen, die den Schritt ins Projektmanagement anstreben, gute Voraussetzungen dafür mitbringen. Wer diesen Weg ernsthaft in Betracht zieht, sollte jedoch idealerweise bereits in der Assistenz kleinere Projekte übernehmen und prüfen, ob diese Arbeitsweise den eigenen Stärken entspricht.

Früher führte ich Aufgaben im Auftrag meines Vorgesetzten aus; heute entwickle ich eigenständig Lösungen und treffe eigene Entscheidungen, trage aber auch die Verantwortung dafür. An der Assistenz vermisse ich gelegentlich die frühe Einbindung in strategische Themen. Gleichzeitig war genau das oft herausfordernd, da man selbst wenig Einfluss nehmen konnte. Heute ist das anders: Ich kann mit den vorhandenen Informationen aktiv arbeiten und Wirkung erzielen.»

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Christine Bachmann ist die Chefredaktorin von Miss Moneypenny.

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