Coworking-Space

Flexibles Arbeiten: Vom Homeoffice in den Coworking-Space?

Wer während des Lockdowns im Homeoffice gearbeitet hat, weiss: Zu Hause lässt sich oft konzentrierter arbeiten als in der teils lärmenden Hektik des Büros. Doch es gibt auch Nachteile: Vom unergonomischen Arbeitsplatz am Küchentisch bis zum Drucker, der pro Minute gerade mal eine Seite schafft – daheim fehlt oft die Infrastruktur, die ein Büro bietet. Eine gute Alternative sind deshalb Coworking-Spaces.

Produktiver und innovativer mit Coworking

Seit einigen Jahren schiessen sie wie die Pilze aus dem Boden: Die Coworking-Spaces in der Schweiz – Büros, in die man sich zeitlich flexibel einmietet und wo Infrastruktur wie Internet, Drucker oder Sitzungsräume zur Verfügung stehen. Man arbeitet unabhängig voneinander, kann sich aber auch mit anderen Coworkern zu einer Community zusammenschliessen.
Während sich noch vor gut sieben Jahren die meisten Coworking-Offices mit etwa 800 Stück in Kalifornien befanden, gab es in der Schweiz gerade mal 10 solcher Büros und rund 500 Coworker. Doch die Branche wächst: Gemäss Prognose der Immobilienfirma Immodea wird es in der Schweiz bis 2022 bereits 300 Coworking-Offices mit bis zu 22 000 Nutzern geben. Wer ein Coworking sucht, wird auf Plattformen wie VillageOffice oder Coworking.ch fündig. Die Auswahl ist gross – von Anbietern, die sich auf Start-ups, Gründer und Entrepreneure spezialisiert haben, bis zu solchen, die arbeitenden Eltern ein flexibles Büro inklusive Kinderbetreuung bieten.

«Menschen, die selbstbestimmt arbeiten, sind in der Regel motivierter.»

Anfangs waren es zumeist Freiberufler und Kreative, die ihre Arbeit aus einem Coworking-Space heraus erledigten. Mittlerweile sehen aber auch immer mehr Grossfirmen den Nutzen solcher Büros. Ein grosser Vorteil für die Firmen liege darin, dass Produktivität, Innovation und Effizienz, aber auch die Zufriedenheit sich erhöhten, wenn man seine Mitarbeitenden in einem Coworking-Space arbeiten liesse, sagt Alexandra Kühn, Geschäftsleiterin der Work Smart Initiative. «Menschen, die selbstbestimmt arbeiten, sind in der Regel motivierter. Dazu muss man seinen Mitarbeitenden Vertrauen schenken.» 
Und das wurde dank Corona beschleunigt: Um von der Präsenzkultur im Büro aufs Homeoffice umstellen zu können, blieb den Arbeitgebern gar nichts anderes übrig, als ihren Angestellten zu vertrauen. Dass es funktioniert hat, wissen wir. Viele Firmen können es sich jetzt deshalb auch kaum vorstellen, zum alten Modell zurückzukehren, zumal die Arbeitnehmenden die neue Flexibilität schätzen. Nach dem Lockdown haben die Arbeitgeber mit den Coworking-Spaces nun eine weitere Möglichkeit gewonnen, das flexible Arbeiten zu fördern.

Smart arbeiten

Ist es eigentlich smart, in einem Coworking-Space zu arbeiten? Alexandra Kühn, Geschäftsführerin der Work Smart Initiative, sagt ja. Ihre Organisation fördert flexible Arbeitsformen in der Schweiz, unter anderem Homeoffice und Coworking – auch schon vor Corona.

Wann ist es ratsam, anstatt im Büro in einem Coworking-Space zu arbeiten? 

Zum Beispiel, wenn Sie Effizienz und Innovation steigern wollen. In einem Coworking-Space sind Sie unter Leuten, werden aber nicht laufend unterbrochen wie vielleicht etwa von den Kollegen im Büro oder der Familie zu Hause. Dadurch sind Sie konzentrierter, und auch die Qualität Ihrer Arbeit kann sich verbessern. Zudem ersparen Sie sich den Arbeitsweg, sofern Ihr Coworking näher liegt als das Büro. Was die Innovation betrifft: In einem Coworking-Space treffen Sie auf eine Community, mit der Sie sich austauschen können. Wenn Sie alleinige Assistentin in einem KMU sind, kann es helfen, sich im Coworking mit Gleichgesinnten aus anderen Firmen zu vernetzen. Das gibt neue Ideen. Auch finden Sie dort vielleicht Spezialisten, die Sie inhouse nicht haben – Personen aus Bereichen wie Kommunikation, Grafik oder Rechtswesen. So lassen sich Synergien nutzen.

«Die neue Arbeitswelt baut auf Vertrauen und nicht auf Kontrolle auf.»

Was ist Ihre Meinung zu Coworking-Spaces auf dem Land? 

Dank diesen können Mitarbeitende nicht nur in ländlichen Gebieten wohnen, sondern auch dort arbeiten – ohne immer pendeln zu müssen. Sie verfügen über eine professionelle Infrastruktur und sind nicht so isoliert wie vielleicht im Homeoffice. Umgekehrt profitieren auch Firmen: Sie erweitern mit der Möglichkeit zu Coworking ihren Rekrutierungsradius auch auf ländliche Wohngebiete. Gerade im MINT-Bereich, wo viele Arbeitskräfte gesucht sind, kann dies hilfreich sein. 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des flexiblen Arbeitens?

Dass man vermehrt den Nutzen von flexiblem Arbeiten wie eine höhere Produktivität und Motivation erkennt. Ich wünsche mir auch, dass Arbeitgeber verstehen, dass die neue Arbeitswelt auf Vertrauen aufbaut und sie Mitarbeitende auf dem Weg nicht kontrollieren, aber begleiten sollen. 

Mountain Coworking, Engadin

«Im Unterengadin leben wir hauptsächlich von der Landwirtschaft und vom Tourismus», sagt Chasper Cadonau, Verantwortlicher für den Mountain Hub. «Junge Leute wandern ab und suchen Arbeit in den wirtschaftlichen Zentren. Wir glauben jedoch, dass sich dieser Trend dank Digitalisierung umkehren lässt, und setzen darauf mit unserem Coworking-Angebot.»

«Der Abwanderungstrend lässt sich dank Digitalisierung umkehren.»

Die Idee sei, die Region so wirtschaftlich wiederzubeleben. Ein paar junge Familien machten es bereits vor, sagt Cadonau: Ursprünglich aus dem Engadin, sind sie zurückgekehrt, weil sie ihre Dienstleistungen digital anbieten können. Mit einem Arbeitsplatz im Mountain Hub haben solche Selbstständige alles, was sie an Infrastruktur benötigen – vom Drucker bis zu modernen Sitzungszimmern mit Telepresence-Geräten. Der Hub bietet Coworking Spaces in Scuol, Ftan und Ardez und sogar auf der Bergstation Motta Naluns während der Skisaison. Da der Mountain Hub zu miaEngiadina gehört, ist auch für schnelles Internet gesorgt – die Firma baut seit Jahren das Glasfasernetz im Engadin aus.
Das Angebot richtet sich aber nicht nur an Rückkehrer: «Wir wollen die Zweitwohnungsbesitzer und die KMU im Engadin ansprechen. Auch den Touristen wollen wir zeigen, dass man bei uns nicht nur Ferien machen kann. Wenn man zum Skifahren herkommt, kann man auch ein paar Tage dranhängen und im Mountain Hub arbeiten, statt wie alle anderen am Sonntagnachmittag im Stau zu stehen.» 
miaengiadina.ch/mountain-coworking

Impact Hub Switzerland

Der Impact Hub Switzerland ist der grösste Coworking-Space-Anbieter der Schweiz. Dabei handelt es sich um einen Zusammenschluss der Impact Hubs in Zürich, Genf, Bern, Lausanne und Basel. Die Community zählt schweizweit rund 2000 Mitglieder und ist Teil eines weltweiten Netzwerks von 100 Coworking-Spaces in 50 Ländern. Wer in der Schweiz Member ist, hat Zugang zu allen Impact Hubs hierzulande, aber auch sonst überall auf der Welt. Der Impact Hub vermietet jedoch nicht einfach nur Arbeitsplätze, sondern ist eine Community, die mit ihrer ökologischen, sozialen und technologischen Ausrichtung einen Beitrag zur Gesellschaft leistet.
impacthub.ch

Tadah Coworking-Space

Wer Kinder hat und während des Lockdowns im Homeoffice war, wird dieses Angebot zu schätzen wissen. Tadah bietet berufstätigen Eltern Arbeitsplatz, Community und Kinderbetreuung in einem;  in diesem im Oktober 2019 gegründeten Coworking-Space im Zürcherischen Albisrieden findet man 30 Plätze zum Arbeiten und für die Betreuung der Kleinen. Die Kundschaft soll das Angebot flexibel nutzen können – deshalb richtet sich die Kinderbetreuung nach der Arbeitszeit der Coworker und nicht umgekehrt.
Die Gründerinnen von Tadah sind übrigens ihre eigene Zielgruppe. Die vier Frauen sind alle Mütter und berufstätig. Denn schon vor Corona wurde viel über die (Un-)Vereinbarkeit von Familie und Beruf gesprochen, aber die Krise hat es verdeutlicht: Vor allem Frauen haben während dieser Zeit Betreuungsarbeit geleistet, was häufig zu Lasten ihrer Arbeitskapazität ging. Es braucht deshalb definitiv Angebote wie das von Tadah. 
coworking.tadah.ch/de/

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Jelena Martinelli ist selbstständige Texterin bei martinellitext. Sie schreibt leidenschaftlich gerne Blogs und Publireportagen und auch sonst alles, was mit Online-Marketing zu tun hat.

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