Interkulturelle Kompetenz

Fettnäpfchen vermeiden

Wer die Tabus und No-Gos anderer Kulturen kennt, hat besseren Zugang zum Geschäftspartner. Hier eine Auswahl an kulturellem Know-how. 

GOLFREGION/ÄGYPTEN

Finger weg: Alkohol trinken kommt aus diesen beiden Orten gar nicht gut an. Wer Geschäftspartner aus dieser Region zu Besuch hat, sollte auch bei der Restaurantauswahl besondere Sorgfalt walten lassen – denn hierzulande steht viel Schweinefleisch auf dem Menü. Lieber schweigen: Die Nahostpolitik, pro-israelische Bemerkungen, Religion und Fragen nach Ehefrau und Töchtern sollten beim Smalltalk nicht erwähnt werden. Körpersprache: Zum anderen Geschlecht sollte stets die grösstmögliche Distanz gewahrt werden. Für Golf-Araberinnen gilt das Übereinanderschlagen der Beine als unfein. Das sollten sich auch Europäerinnen bei einem Besuch zu Herzen nehmen.

 

INDIEN

Pünktlich zum Lunch: Geschäftsessen finden eher mittags statt als abends – und dann wird auch Pünktlichkeit erwartet. Bei Abendeinladungen gelten 30 Minuten später und mehr als normal. Der schöne Schein: Statussymbole sind Indern sehr wichtig. Wer die neuste Technik (Handy, Laptop) dabei hat, wird eher ernst genommen. Kurze Hosen und Trägertops gelten als Zeichen für Armut. Vorsicht Kuh: Geschenke sind gern gesehen, besonders solche mit Heimatbezug. Aber Achtung: Rindsleder kommt nie gut an, denn die Kuh ist in Indien heilig. Geduld bei Meetings: Meetings beginnen mit Smalltalk bei Tee und kleinen Snacks. Ablehnen gilt als unhöflich. In den darauf folgenden Diskussionen werden selten Entscheidungen getroffen. Ziel ist es, To-dos und eine Zeitleiste festzulegen – mit detailliertem Protokoll. Wenn zwischendurch Handys klingeln oder unangemeldete -Besucher reinkommen, ist das übrigens ganz normal. Ebenso, wenn Inder irgendwann einfach den Raum verlassen oder in Tränen ausbrechen. 

CHINA

Distanz wahren: In China beträgt die persönliche Zone bei geschäftlichen -Begegnungen 80 bis 100 Zentimeter und ist damit grösser als hierzulande. Auch von Küsschen sollte unbedingt abgesehen werden. Mit Vorsicht schenken: Keine gute Geschenkidee sind Uhren (Symbolik für ein kurzes Leben), Schirme, Messer und andere scharfe Gegenstände (sie könnten die Beziehung zerschneiden) sowie weisse Objekte (stehen symbolisch für den Tod). Zahlen beachten: Die Anzahl der Personen am Tisch sollte am besten -gerade sein, normalerweise zwölf. Was gar nicht geht: sieben Gerichte -bestellen, das wird nur bei Beerdigungen getan. Hoch die Tassen: Viel zu trinken, ist wichtig für eine Geschäftsbeziehung. Wer viel trinkt, gilt als starker Geschäftsmann. Hier nein zu sagen, ist nur für Frauen ein Option. Und Achtung: Viel mehr als der Geschäftspartner sollte man auch nicht trinken, sonst verliert dieser wiederum sein Gesicht.

RUSSLAND

Gut durchleuchtet: Russen sind in der Regel extrem gut auf Gespräche mit -Geschäftspartnern vorbereitet. Oft arbeiten sie sogar mit Privatdetekteien, um im Vorfeld Infos zu bekommen. Stille Post: Wer einmal in ein Fettnäpfchen tritt, hat es künftig auch bei anderen Gechäftspartnern schwer – denn sowas spricht sich schnell rum. Teuer gleich gut: Geschenke werden im Geschäftsleben erwartet. Teurer Alkohol oder teure Lederwaren kommen gut an. Sie werden aber erst zum Ende des Besuchs übergeben. Nicht zu dick auftragen: Vorsicht gilt bei Komplimenten gegenüber dem anderen Geschlecht, sie werden schnell als verbindlich angesehen.

 

USA

Stimmung vor Inhalt: Ziel ist es, sich als angenehmer Gesprächspartner zu erweisen – nicht als inhaltsorientierter. Amerikaner mögen Komplimente, auch wenn sie nicht immer ganz ernst gemeint sind. Danke sagen: Nach privaten Einladungen gehört es auch heute noch zum guten Ton, sich schriftlich zu bedanken. Auch nach Vorstellungsgesprächen macht das einen guten Eindruck. Den Dr. weglassen: Akademische Titel werden auf Visitenkarten oft weggelassen. Das beweist Stil.

 

 

 

 

 

 

Catherine Tenger

Catherine Tenger ist Seminarleiterin, Buchautorin und Inhaberin von CLT Training für Persönlichkeit, Wirkung und ­Verhaltensformen. Die in Zürich wohnende, zweisprachige (D/E) Schweizerin lebte in den U.S.A., Paki­stan und Deutschland und macht Auftrittskompe­tenz auch in einem interkulturellen ­Zusammenhang deutlich. Sie ist Mitglied beim Trainernetzwerk ETI, einem ­Kompetenzzentrum für internationale ­Umgangsformen.
clt-training.ch

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