Porträt

Eine für zwei

Gesundheit und Menschlichkeit sind für Annina Blum, COO-Assistentin bei der Senevita AG, das Wichtigste im Leben. Sie selbst hat eine schwere Krankheit überlebt und neuen Lebensmut gewonnen.

Im Restaurant der Senevita Residenz Multengut in Muri bei Bern plaudert eine alte Dame mit ihren Besuchern; eine andere spaziert mit ihrem Terrier ins Haus. Annina Blum grüsst sie, streichelt den Hund und sinniert: «Wenn ich einmal so alt bin, möchte ich mich auch so gut umsorgt wissen.»

Es grenzt an ein Wunder, dass Annina Blum am Leben ist. Vor gut 20 Jahren hätte sie nicht geglaubt, 46 zu werden und sogar darüber nachzudenken, wie sie ihr Leben im Alter verbringt. Als 22-Jährige lag Annina mit akuter Leukämie im Inselspital. Die Ärzte gingen nicht davon aus, dass sie überleben würde.

Persönlich

Das wollte ich als Kind werden

Schauspielerin oder Make-up-Artist

Das hat mich geprägt

Meine schwere Krebserkrankung Anfang 20

Da muss ich lachen

Fröhliche Kinder, Sonnenschein, Sorglosigkeit

Darüber ärgere ich mich

Ungerechtigkeit, Lügen

Dafür habe ich einmal viel Mut gebraucht

Mir mein Tattoo stechen zu lassen

Das möchte ich gerne lernen

Yoga

Diese Person würde ich gerne kennenlernen

Das Idol meiner Kindheit – Romy Schneider

Prägende Krankheit

Heute steht die energische Assistentin mitten im Leben. Sie hält bei der Senevita AG, einer Gesellschaft, die mehrere ambulante und stationäre Gesundheitseinrichtungen führt, dem Verantwortlichen für das operative Geschäft, COO Daniel Braun, den Rücken frei. Über die Zeit mit der lebensbedrohenden Krankheit sagt sie: «Der Krebs hat mich Demut und Dankbarkeit gelehrt. Den Tod vor Augen zu haben, war eine grosse Lebensschule.»

Als Corona ausbricht und auch das Leben der Bewohnerinnen und Bewohner in den Einrichtungen von Senevita bedroht, weiss Blum deshalb, was die Menschen nebst Schutzmassnahmen vor allem brauchen: ein offenes, mitfühlendes Ohr. «Es kamen sehr viele Anrufe von Angehörigen, die verzweifelt waren und sich wegen des Besuchsverbots hilflos fühlten. Und so half ich mit, mit den Angehörigen zu sprechen», erzählt die Assistentin.

Seit meiner Krankheit weiss ich, wie wichtig das Zuhören ist.

Sie tut dies mit ihrem Arbeitspensum von offiziell 90 Prozent sowie den vielen Aufgaben, die sie als alleinerziehende Mutter von zwei Teenagertöchtern hat. «Seit meiner Krankheit weiss ich, wie wichtig das Zuhören ist», sagt die empathische Assistentin – auch wenn der Chef ihr manchmal rate, sich mehr abzugrenzen.

Effizient und speditiv

Annina Blums hohe Arbeitsbelastung hängt aber nicht nur mit ihrer Hilfsbereitschaft zusammen, sondern auch damit, dass Senevita, der zweitgrösste Anbieter von Alters- und Pflegezentren der Schweiz, wächst: Während sich im Jahr 2017 noch insgesamt 1700 Mitarbeitende um 2000 Kundinnen und Kunden in 26 Häusern kümmerten, beziehen heute 4900 Menschen an 47 Senevita-Standorten Dienstleistungen von 4300 Mitarbeitenden. Da der Betrieb laufend an das Wachstum angepasst werden muss, hat der COO alle Hände voll zu tun – und damit auch seine Assistentin. Der Personalmangel in der Pflege macht es nicht leichter: Bis 2030 werden der Schweiz 20 000 Pflegefachkräfte fehlen, lautet die Prognose. Qualifizierte Leute zu finden, wird in der gesamten Branche zur Herausforderung werden.

Für ihren Chef organisiert Annina Blum die vielen Sitzungen und Reisen, bereitet Präsentationen vor, schreibt Protokolle und kümmert sich um all die anderen tausend Kleinigkeiten, die jeden Tag anfallen. Zusätzlich unterstützt sie die vier Senevita-Regionalleitenden, die dem COO unterstellt sind – denn diese Assistenzstelle ist gerade nicht besetzt. «Kein Tag ist wie der andere, ich muss sehr flexibel sein», sagt Annina. «Aber zum Glück weiss ich, wie man effizient und speditiv arbeitet», lächelt sie.

Wie funktioniert denn die Zusammenarbeit mit dem vielbeschäftigten Daniel Braun? «Mein Chef ist viel unterwegs, wir sehen uns nicht oft», erzählt Blum. «Aber wir telefonieren viel.» Obwohl sie sich kaum ähnlich seien, arbeiten sie sehr gut zusammen. «Mein Chef ist im Gegensatz zu mir sehr strukturiert, pragmatisch und konsequent.» Hat er sie vielleicht deshalb eingestellt, weil sie ihn mit ihrer unkomplizierten Art und Empathie ergänzt? «Ich war bereits da, als er als COO angefangen hat», korrigiert Annina. «Wenn er selbst eine Assistentin hätte aussuchen können, dann vermutlich eine ohne Tattoos», grinst sie.

Kampfgeist

Tatsächlich: Dass eine Assistentin eine so auffällige Tätowierung trägt wie Annina, ist eher ungewöhnlich. Vom rechten Handgelenk entlang der Innenseite des Arms über den Nacken bis hinters linke Ohr schlängelt sich eine schwarze Reihe von Sternen. «Es sind insgesamt 99», sagt sie. «Eben nicht ganz 100», meint sie lachend. Doch die Sterne haben einen ernsthaften Hintergrund.

Es ist das Jahr 1997. Annina liegt seit Monaten im Inselspital – die Ärzte versuchen, sie mit Infusionen am Leben zu erhalten und ihre Schmerzen zu lindern. Ihr Kopf ist kahl, die Wangen sind eingefallen. Eine akute Leukämie, die wie aus dem Nichts gekommen ist. Annina ist in einem Isolierzimmer untergebracht, wo sie vor Krankheitserregern geschützt ist, denn jede noch so kleine Infektion könnte ihren Tod bedeuten.

Die junge Frau klammert sich mit letzter Kraft an ihr Leben. Und hört eines Tages, dass Hale-Bopp, der berühmte Komet, demnächst zu sehen sein werde. «Aus irgend­einem Grund dachte ich: Wenn ich diesen Kometen zu Gesicht bekomme, dann werde ich wieder gesund.» Doch um den Stern mit dem Schweif zu sehen, musste sie aus dem Isolierzimmer hinaus, zum Fenster auf der anderen Seite des Ganges. «Die Pflegenden waren grossartig, sie haben alles getan, um mir das zu ermöglichen», erinnert sie sich. «Bis ich aus dem Bett war, brauchte ich mehr als eine Stunde.» Eine Pflegerin hilft ihr über den Gang. «Und dann habe ich ihn gesehen.»

Ab da geht es mit Annina wieder bergauf. Sie besiegt den Krebs. Ob dieses Wunder etwas mit dem Kometen zu tun hat? Denn ein Komet ist auch nicht viel anderes als eine riesige Sternschnuppe. Oder sind es Anninas Kampfgeist und die liebevolle Pflege im Inselspital, die sie haben überleben lassen? Was auch immer es war – sie lässt sich die Sterne tätowieren. Sie sollen ihr Kraft geben und sie stets daran erinnern, was im Leben wirklich zählt: Gesundheit und Menschlichkeit.

Heute ist Annina sehr glücklich, wie sie sagt. «Ich habe alles, was ich im Leben brauche: zwei wunderbare Kinder, einen tollen Partner und einen interessanten Job.» Da wäre nur eine Sache, um ihr den Arbeitsalltag leichter zu machen: «Wenn sich jemand Ideales auf die offene Stelle als Regionalleiter-Assistentin melden würde, dann wäre es perfekt.» Drücken wir ihr die Daumen, dass sich dieser Wunsch erfüllt und sie bald ein Gspänli bekommt, das sie unterstützt.

Annina Blum

ist in Stettlen im Kanton Bern aufgewachsen. 1995 erwirbt sie das Handelsdiplom der École supérieure de commerce in Neuchâtel und arbeitet anschliessend mehrere Jahre als Rezeptionistin in verschiedenen Hotels. Nach ihrer schweren Erkrankung mit 22 Jahren bewirbt sie sich bei der SRG SSR und arbeitet 16 Jahre lang als Assistentin bei der Generaldirektion. Mit 40 wagt sie einen Branchenwechsel und wird Assistentin beim CEO- und VR-Sekretariat der Postfinance. 2017 erfolgt der Wechsel zur Senevita AG, wo sie bis heute als COO-Assistentin tätig ist. Annina Blum ist alleinerziehend, lebt mit ihren beiden Töchtern in Münsingen im Kanton Bern und ist glücklich liiert.

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Jelena Martinelli ist selbstständige Texterin bei martinellitext. Sie schreibt leidenschaftlich gerne Blogs und Publireportagen und auch sonst alles, was mit Online-Marketing zu tun hat.

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