Kreativität

Das Büro als Ideenmaschine

Kreativität gehört heute zu den Top Skills in Unternehmen. Berater und Kreativitätsexperten versuchen, ihre Kunden mit speziellen Methoden und Techniken für die Ideenfindung zu rüsten. Miss Moneypenny über die Suche nach guten Ideen – und warum Humor so wichtig ist.

Es ist noch nicht so lange her, da löste das Stichwort Kreativität bei Managern ein Schmunzeln aus. Kreativität war etwas für die Leute, die Marketing-Flyer gestalten oder sich eine Werbekampagne ausdenken. Im Business wird hart gearbeitet, da haben künstlerische Eskapaden keinen Platz.

Die Zeiten haben sich geändert. Heute gehört Kreativität zu den wichtigsten Kompetenzen in der Wirtschaft. Nachlesen kann man das beispielsweise im Report «The Future of Jobs» des World Economic Forum. Für den bereits 2016 veröffentlichten Report wurden Führungskräfte von internationalen Unternehmen befragt, was im Jahr 2020 die Top Skills für Unternehmen sein werden. Da liegt Kreativität schon auf Platz drei. Als Grund wird vor allem die vierte industrielle Revolution mit ihren Megatrends wie künstliche Intelligenz, Robotik oder autonomes Fahren genannt. Wer hier im internationalen Wettbewerb mithalten will, ist auf gute neue Ideen angewiesen. Mit kleinen Einschränkungen gilt das ebenso für mittelständische und kleinere Unternehmen.

Die neue Wertschätzung bestätigt Kreativitätstrainer und Buchautor Chris Brügger vom Beratungsunternehmen Denkmotor. Brügger sagt: «Mittlerweile behauptet niemand mehr, Kreativität sei unwichtig. Das kreative Denken als Basis von Innovation ist mittlerweile in allen Unternehmen und bei den Führungskräften angekommen.»

Ähnlich sieht das Gabrielle Schmid, die mit ihrem Unternehmen Weitraum als Kursleiterin, Moderatorin und Coach tätig ist. «Kreativität ist eine grundlegende Ressource. Angesichts globaler Entwicklungen und in komplexen Umfeldern sind Kreativität, kritisches Denken und Problemlösefähigkeiten hoch geschätzte Kompetenzen.»

Was bringt Kreativität?

Doch wozu genau kann man gute Ideen im Büroalltag gebrauchen? Eigentlich für praktisch alles. Um Routineabläufe zu verbessern. Um mit besseren Produkten und neuartigen Services den Markt zu erobern. Um Probleme zu lösen. Um echte Innovationen und dazu passende Geschäftsmodelle zu generieren. Um gefährlichen Stillstand und Langeweile im Geschäftsalltag zu verhindern. Und, um das Unternehmen beweglicher und agiler zu machen. 

Wie stellt man es nun an, das Ideen--potenzial der Mitarbeiter zu erhöhen und in Schwung zu bringen? Das ist oft gar nicht so einfach. Sich hinzusetzen und angestrengt nachzudenken, funktioniert meistens nicht.

«Kreativität und kritisches Denken sind hoch geschätzte Kompetenzen.»

Die Beraterin Lucia Stocker ist seit vielen Jahren mit ihrem Unternehmen Different -Angles aktiv. Sie empfiehlt, nicht nur offen für Neues zu sein, sondern auch, ungewöhnliche oder auf den ersten Blick verrückte Ideen anzunehmen. Sie sagt: «Es ist viel leichter, eine verrückte Idee salonfähig zu machen als eine langweilige Idee aufzupeppen.» In diesem Satz stecken Gedanken, die grundlegend für Kreativitätstechniken sind. Zum einen geht es immer wieder darum, die Perspektive zu wechseln. Vorgesetzte und Mitarbeitende müssen «die Grundhaltung entwickeln, dass es immer mehrere Möglichkeiten gibt, an Fragen heranzugehen oder Probleme zu lösen», erklärt Gabrielle Schmid.

Zum anderen ist es entscheidend, in ungewöhnlichen Ideen erst mal nach Vorteilen zu suchen und nicht gleich die Nachteile zu sehen. «Nicht selten haben Vorschläge auf den ersten Blick nur Nachteile. Bei genauerer Betrachtung überwiegen jedoch die Vorteile und der Nutzen», so Lucia Stocker.

Methoden und Systeme für Innovationen

Zur innovativen Grundeinstellung gesellen sich dann auch bestimmte Methoden und Techniken, mit denen Teams den Ideen--Turbo starten wollen. Wer im Internet nach Stichworten wie Kreativitätstechniken sucht, stösst nicht nur auf die Websites der hier -zitierten Experten, sondern auf unzählige Methoden, die teilweise schon vor Jahrzehnten entwickelt wurden. Einige dieser Methoden arbeiten eher spielerisch mit locker aneinandergereihten Assoziationen, andere bevorzugen ein strukturiertes und streng systematisches Vorgehen bei der Entwicklung neuer Ideen. Die meisten sind deutlich leistungsfähiger und interessanter als die altbackenen Klassiker der Ideenfindung wie z. B. Brainstorming und Mindmapping.

Egal, ob Ideenfindung mit Denkhüten, TRIZ-Methode oder Design Thinking, alle Methoden setzen Konzentration und ernsthafte Arbeit voraus. Zudem benötigen die Kreativ-methoden in der Regel einen Moderator und gute Vorbereitung.

Wenn die innovativen Konzepte und die zündenden Ideen schliesslich auf dem Whiteboard stehen, folgt der nächste Schritt: die praktische Umsetzung. Chris Brügger nennt das «schnell ins Tun kommen». Dazu gehört, noch «unfertige Lösungen in Prototypen zu verwandeln und möglichen Kunden zu präsentieren». Gabrielle Schmid empfiehlt, die Ideen schnell auszuprobieren. Ihr Credo: «Das Handeln bzw. die Umsetzung kommt nicht am Schluss, sondern ist laufend Teil des Prozesses.»

Auch Humor kann helfen. Denn Humor und Kreativität sind bekanntlich Geschwister und da, wo Humor ist, ist auch die nächste Idee nicht weit. In Unternehmen, in denen harte Arbeit, gute Ideen und eine Prise Humor zusammengehen, fühlen sich auch die Mitarbeitenden wohl. Was sie ganz automatisch wieder auf gute Ideen bringt.

Tipps für den kreativen Alltag

Für spannende Innovationen braucht es nicht immer moderierte Sessions und aufwendige Kreativitätsmethoden. Im Alltag helfen oft auch ganz simple Tipps. 

• Lehnen Sie unkonventionelle Ideen nicht gleich ab, freuen Sie sich darüber. Denken Sie nach, welche Vorteile solch eine ungewöhnliche Idee haben könnte.

• Öfter mal die Umgebung wechseln, Meetings bei schönem Wetter draussen -abhalten. Kleine Ortswechsel bringen die Gedanken in Schwung.

• Freundlich gestaltete Räume, viel Platz, raus mit den alten Akten. Das gibt den -Gedanken Freiraum und erfrischt den Kopf.

• Kein Meeting ohne gesunde Snacks, Obst und Getränke.

• Hinterfragen Sie die gewohnten Abläufe im Büro, probieren Sie Alternativen zu den üblichen Ritualen. Routine produziert keine Ideen.

• Ideen nicht lange reifen lassen, lieber schnell ausprobieren. So entdeckt man oftmals spontan Verbesserungsmöglichkeiten.

• Teams mit ganz verschiedenen Charakteren sind erfolgreiche Ideenmaschinen. Der eine ist der Macher, der andere sprüht vor guten Ideen, der nächste trifft Entscheidungen.

• Bleiben Sie neugierig.

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Mehmet Toprak ist freischaffender Journalist.

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