Fünf Fragen an…

Christine Carus, Expertin für Gedankenhygiene

Müll gehört in den Mülleimer. Das gilt in der Küche genauso wie im Kopf. Denn dort tummelt sich oft jede Menge Gedankenmüll und lenkt uns von den schönen Seiten des Lebens ab. Christine Carus ist Expertin für Gedankenhygiene und weiss, was es braucht, damit wir uns in unseren Gedanken wohlfühlen können. 

Bei Hygiene drängt sich schnell der Gedanke an Sauberkeit auf. Wie passt Sauberkeit mit Gedanken zusammen?
Das ist eine gute Assoziation. Man kann vielleicht noch einen Schritt weitergehen und an aufgeräumt und klar denken. Alles hat seinen Platz, wie zum Beispiel in einer Küche. Dort hat der Mülleimer auch seinen festen Platz und seine Bedeutung. Der Müll liegt nicht in der Mitte der Küche, sondern er wird im Mülleimer entsorgt, der etwas versteckt steht. So fühlen wir uns in dieser Küche wohler. Genauso ist es mit den Gedanken. Ich konzentriere mich auf das, was Freude macht; und nicht auf die Müllgedanken. Es gilt die Aufmerksamkeit zu steuern.

Aber weg ist ja der Müll im Mülleimer trotzdem noch nicht…
Richtig! Irgendwann muss ich ihn rausbringen. Und so ist es auch beim Gedankenmüll. Das heisst, dass negative Gedanken auch ihren Platz haben, aber ich kann sie nur begrenzte Zeit – wie bei meinem Küchenmüll – wegstellen; irgendwann muss ich sie bearbeiten. Denken Sie an jemanden der trauert. Nimmt sich diese Person keine Zeit, um die Trauer zuzulassen und zu bearbeiten, kommt diese irgendwann wieder hoch. Wer sie hingegen zulässt, sich auseinandersetzt, wird sie überwinden. Andere Menschen können uns übrigens dabei helfen; sowohl beim Müll raustragen, als auch beim Gedanken bearbeiten.

Ich kann also Gedankenhygiene delegieren?
Das nicht grad. Aber gute Gespräche können uns helfen, den Kopf aufzuräumen. Überhaupt sind Freundschaften und Beziehungen immens wichtig und fördern die eigene Energie und das Wohlbefinden.

Das klingt alles ziemlich einfach, warum funktioniert es im echten Leben oft nicht?
Ich denke, der Hauptgrund liegt darin, dass wir ein Umfeld haben, das uns lehrt, auf viele andere Dinge, nämlich auf Optimierbares, zu achten. Das fängt in der Schule an: Unter dem ersten Diktat mit fünf Wörtern, von denen eins falsch geschrieben ist, steht nicht: «Prima, vier Wörter sind richtig», sondern «ein Fehler». Es geht immer darum, wo wir wie etwas besser machen können. So tickt unsere komplette Gesellschaft und so lernen wir, Schritt für Schritt, uns auf das Negative zu fokussieren. Um zurück zu unserem Küchenbeispiel zu kommen: Wir müssen lernen uns auf den schönen Teil des Raumes zu fokussieren und nicht auf unseren Mülleimer.

Ist es vielleicht einfacher, sich auf die negativen Gedanken zu konzentrieren?
Oft ja. Der Fokus auf das Negative erfüllt zusätzlich manches Mal Bedürfnisse, die damit erfüllt werden, z.B. das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit. In der Opferrolle werde ich vielleicht freundlicher, wohlwollender und mitleidiger behandelt. Das sind alles Gründe, warum Menschen oft nicht aus dem Jammertal herausfinden. Mit Gedankenhygiene machen wir uns aber bewusst, was wir alles bereits haben, was wir ändern können und was wir mit den Dingen tun, die wir nicht ändern können, sondern akzeptieren müssen. Also: Bitte nur kurz jammern und dann handeln. Das Beste daraus machen…

Tools für bessere Gedankenhygiene

Dankbarkeitstagebuch
Wer sich jeden Tag notiert, wofür er dankbar ist, lenkt den Fokus gezielt auf alles was gut im Leben ist. Das können auch die ganz kleinen Dinge sein, ein Lächeln von einer zufälligen Begegnung oder eine Tasse Tee mit Sonne im Gesicht.

Bonbonglas
Nehmen Sie ein grosses Glas und sammeln Sie alles, was Sie an die schönen Momente erinnert, die Sie im Laufe eines Jahres erlebt haben: Kinokarten, Flugtickets, die Serviette vom Restaurant, in dem Sie ein tolles Essen genossen haben, die Schleife von einem Geschenk, einfach alles, was Ihnen Freude gemacht hat. Und dieses Glas können Sie sich dann einmal im Jahr zur Hand nehmen und gemeinsam mit anderen, in positiven Erinnerungen schwelgen.

Achtsamkeit
Eine Tafel Schoggi können Sie entweder in ein paar Minuten «einatmen» oder Sie üben sich gezielt im Genuss. Fokussieren Sie das Jetzt und erschmecken Sie langsam jedes Stück und lassen es auf der Zunge zerschmelzen. Achtsamkeit lässt sich in jeder Lebenssituation üben. Wer achtsam ist, lebt im Moment.

 

Christine Carus

 

Christine Carus geht es darum, dass Menschen die Eigenverantwortung für ihr TUN übernehmen - und damit in erster Linie für Ihre Gedanken. Als Mentalcoach und Kommunikationsexpertin arbeitet sie u.a. mit Banken, Versicherungen, Ärzten, Verwaltungen, Teams, Führungskräften und Einzelklienten aus den unterschiedlichsten Branchen. Ihre Zuhörer, Klienten und Seminarteilnehmer erleben seit über 28 Jahren eine individuelle, kompetente Methodenvielfalt.

 

Im Kopfkino kann jeder schnell die Vorstellung wechseln – und so dem Film im Kopf eine Wendung geben. «Gedankenhygiene» ist kein wissenschaftliches Werk, sondern ein persönliches Arbeitsbuch, das man immer wieder zur Hand nehmen kann, um die Leichtigkeit zurück ins Leben zu holen. «Mache deine Gedankenhygiene zur Routine – so wie deine Zahnhygiene! Putze mindestens einmal täglich, besser auch mal zwischendurch.»

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