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Arbeiten in Zeiten von Corona

Miss Moneypenny hat Assistentinnen gefragt, wie sie die aussergewöhnliche Situation meistern und wie schwer die Krise «ihr» Unternehmen trifft.

  1. Arbeiten Sie im Homeoffice?

  2. Wie ist Ihre Arbeit zurzeit?

  3. Wie gehen Sie mit der Situation um?

  4. Wie wirkt sich die Corona-Krise aufs Unternehmen aus?

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Barbara Santucci, Schweizer Radio und Fernsehen SRF / Persönliche Assistentin des Chefredaktors TV

  1. Seit dem 16. März arbeiten ich und viele meiner Kollegen von SRF im Homeoffice. Voraussichtlich noch bis zum 3. Mai.
  2. Die erste Woche war es schwierig. Nicht das Arbeiten zu Hause bereitete mir Mühe, sondern die Beschaffung der Informationen, die sonst so selbstverständlich im gemeinsamen Büro fliessen. Mittlerweile sind wir gut organisiert mit täglichen Skype-Sitzungen und das Arbeiten geht sehr gut. Die Isolation und Ruhe helfen, fokussierter und effizienter zu arbeiten, weil nicht immer jemand da ist, der etwas fragt oder möchte. Wichtig ist es, den Tag zu strukturieren und Rituale beizubehalten. Sonst passiert es, dass man die Zeit vergisst und nichts zu Mittag isst oder auch am Abend weiterarbeitet. Was ich enorm schön finde, ist der soziale Zusammenhalt, den wir bei uns auch via Skype weiter­führen – zum Beispiel mit bewusst gelegten Kaffeepausen-Skype-Treffen.
  3. Da ich ein sehr positiver Mensch bin und mir jeweils sage, dass man an jeder Herausforderung wächst, gehe ich sehr gut mit der Situation um. Es ist nicht für die Ewigkeit, es ist eine befristete Zeit, die uns auch hilft, nachher wieder unser Leben geniessen zu dürfen. Ich hoffe, dass die Leute auch etwas aus dieser Zeit lernen und mitnehmen. Mein Respekt gilt in dieser Zeit Daniel Koch vom BAG und Bundesrat Alain Berset. Die beiden geben seit Tag 1 alles, um die Bevölkerung sachlich, verständlich und mit einer Ruhe zu informieren, die ich bewundernswert finde. Gerade an solchen Krisen erkennen wir alle wieder, in was für einem privilegierten Land wir doch leben dürfen.
  4. Die Medienwelt ist auf der einen Seite sehr gefordert, Informationen zu den Menschen nach Hause zu bringen. Doch die Balance zu finden zwischen Sondersendungen und Corona-Informationen und das Normalprogramm als Ausgleich, ist nicht einfach. Der Stopp von Sport-, Kultur- und Unterhaltungsanlässen wirkt sich natürlich auch negativ auf die Schaltung von Werbung aus. Wie für fast jedes Unternehmen, von den ganz kleinen, die es enorm hart trifft, bis hin zu den grossen, ist es keine einfache Zeit. Die Sorgen und Ängste sind überall gross. Auch wenn der Bund schnell und einfach Hilfe bereitstellt, bleiben die Bedenken um die Zukunft bei vielen bestehen. Doch trotz allem staune ich immer wieder, wie innovativ Unternehmen in einer Notsituation sein können und wie sie aus der Not eine Tugend machen können. Davor zieh ich den Hut!

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Manuela Leonhard, Assistentin von Stadtpräsidentin Corine Mauch, Stadt Zürich

  1. Nein, ich bin im Stadthaus und «hüte» das Büro vor Ort. Als Schnittstelle für alle, die jetzt im Homeoffice sind, ist das eine gute Lösung, da ich auch Zugang zu Akten, Post etc. habe.
  2. Es ist vor Ort extrem ruhig. Im Stadthaus sind nur ein paar Schalter sowie das Zivilstands- und Bestattungsamt geöffnet. In den Mailboxen hat es jedoch doppelt so viele Mails wie üblich. Ich «überwache» im Büro, dass alle wirklich mit den Telefonkonferenzen klarkommen. Es gibt genug zu tun, aber es ist anders als vorher.
  3. Ich komme sehr gut zurecht. Dank meiner Coach-Ausbildung kann ich aus der Ferne eine Feldstudie betreiben, was diese Krise mit den mir bekannten Menschen macht. Ich muntere auch viele via Social Media auf oder sende ihnen positive Gedanken. Oder ich höre mir den Frust der Menschen an. Ich habe ganz grosses Verständnis für die momentanen Gefühlsausbrüche.
  4. Die Stadtverwaltung ist extrem gefordert, weil wir sämtliche vitalen Leistungen aufrechterhalten müssen für die Bevölkerung von Zürich. Das heisst, nicht alle können im Homeoffice arbeiten. Darum hat es da und dort eine oder auf Distanz mehrere Personen vor Ort. Das Gesundheits- und Umweltdepartement ist gerade voll im Einsatz. Mein Respekt geht an alle Mitarbeitenden sowie an das gesamte Gesundheitspersonal – sie leisten zurzeit Unvorstellbares. Ebenso sind das Sozialdepartement sowie sämtliche, für die Bevölkerung offenen Anlaufstellen enorm gefordert. Was im Nachhinein die Auswirkungen sein werden, erfahren wir später. Mit Sicherheit hat die Krise auch finanziellen Einfluss auf die Stadtkasse.

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Jacqueline, Seiler, Direktionsassistentin, Grand Resort Bad Ragaz AG

  1. Derzeit arbeite ich im Homeoffice, dies jedoch nur nach Bedarf und Arbeitsaufwand. Aufgrund der Betriebsschliessung wird es sich bald auf nur noch einzelne Stunden pro Woche reduzieren. 
  2. Die Arbeit zu Hause lässt sich derzeit mit viel Zeit und Ruhe erledigen. Es besteht kein Druck, vielmehr kann auch so manches aufgearbeitet und vorgearbeitet werden. Auch wenn der für mich positive Druck fehlt, möchte ich die Zeit bestmöglich nutzen. 
  3. Mir fehlen die tägliche Arbeit, der Betrieb und mein Umfeld sehr. Der soziale Austausch ist beinahe komplett zum ­Stillstand gekommen. Ich versuche meinen Tag jedoch abwechslungsreich zu gestalten, um in einer positiven Stimmung zu bleiben. 
  4. Unser Unternehmen und so auch die gesamte Hotellerie-Branche leidet stark unter der Krise. Unsere Gäste reisen unter anderem aufgrund von gesundheitlichen Bedenken nicht mehr und halten sich so natürlich auch an die Vorgaben beziehungsweise an die Ein- und Ausreisebestimmungen der Regierung einzelner Länder. Die Gäste vor Ort hatten zudem nach und nach immer mehr Einschränkungen in der Nutzung der Infrastruktur (Schliessung Spa, Golf, Casino etc.). Der Betrieb der Grand Hotels bleibt aufgrund der aktuellen Lage vom 1. bis 19. April 2020 geschlossen.

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Irène Brun, Assistentin des VRP und CEO, Robatech AG

  1. Ja, das Homeoffice ist seit Freitag, 13. März 2020, mein neuer Arbeitsplatz. Es ist meine erste Homeoffice-Erfahrung, da mein kurzer Arbeitsweg dies bis anhin nicht erforderte. Es macht mir Spass, auf diese virtuelle Art und Weise zu arbeiten und ich sehe viele Vorteile darin. Dank MS Teams, Skype for Business und weiteren digitalen Tools ist die enge Zusammenarbeit gewährleistet. Die Mitarbeitenden sind interessanterweise schneller für Rückfragen verfügbar und die virtuellen GL-­Sitzungen sind viel effizienter. Zudem liebe ich es, die Arbeitszeit in meinem gemütlichen Zuhause zu verbringen, obwohl es in dieser Krisenzeit arbeitsintensiver ist. Einsamkeit ist für mich ein Fremdwort, da der rege Austausch mit den einzelnen Teams in unserem Unternehmen sehr gut funktioniert.
  2. Seit dem Corona-Start wirke ich mit drei GL-Mitgliedern im Krisenstab für unser weltweites Headquarter mit. Durch die rasante Entwicklung war es anfangs sehr wichtig, schnell Entscheidungen zu treffen und unsere Mitarbeitenden am Hauptsitz wie auch in über 70 Ländern über die getroffenen Massnahmen sofort zu informieren. Diese Ausnahmesituation veranlasste mich, einige meiner Projekte zu pausieren. Ich hoffe, dass diese Krise nicht allzu lange dauert, damit der Schaden für Mitarbeitende sowie Unternehmen in Grenzen gehalten werden kann. Neben meinem 80-Prozent-Pensum schreibe ich gegenwärtig meine Masterarbeit für das Studium «Digitale Transformation», welche auch die neuen Arbeits-formen und deren Auswirkungen behandelt. Ein positiver Nebeneffekt der jetzigen Krise ist sicherlich, dass in vielen Unternehmen Digitalisierungsthemen schnell, effizient und unbürokratisch umgesetzt werden.
  3. Es ist mir bewusst, dass viele in der Gesundheitsbranche Ausserordentliches leisten. Ich halte mich an die vom BAG verordneten Regeln, da auch ich es für sehr wichtig erachte, das Gesundheitssystem nicht unnötig zu belasten. Ich sehe trotz der Tragik auch viel Positives in der ganzen Situation. Die Kontakte mit Familie und Freunden über Video-Chats sind wertvoller denn je. Es zeigt, dass die Digitalisierung auch zur Meisterung der Krise etwas beitragen kann. Zudem bin ich überzeugt, dass wir als Gesellschaft viel lernen können und das Leben bewusster schätzen und geniessen.
  4. Die grundsätzliche Problematik besteht weniger auf der direkten Kundenbasis, sondern zunehmend auf unserer Zulieferkette. Die Herausforderung für uns als Produktionsunternehmen ist es, alle Zukaufteile zur richtigen Zeit am richtigen Ort zur Verfügung zu haben. Nur so können wir unseren weltweiten Kunden, die auch in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie zu Hause sind, auch während der Krise die zwingend notwendige Unterstützung geben.

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Marianne Mandrin, Assistentin der Rektorin Springman, ETH Zürich

  1. Seit dem Montag, 16. März, arbeite ich im Homeoffice. Am Mittwoch, 18. März, habe ich noch meinen Bildschirm abgeholt und bin seit diesem Zeitpunkt nicht mehr im Büro an der ETH gewesen.
  2. Das Open Office hat sich zu einem Closed Office gewandelt. Das bedeutet weniger soziale Kontakte, gleichzeitig aber zügiges Vorankommen. Die Kommunikation läuft nach wie vor über viele unterschiedliche Kanäle. Ich fühle mich somit gut vernetzt. 
  3. Wir haben ein super Team, einen Chat auf Whatsapp und treffen uns via Zoom zweimal pro Woche zu einer virtuellen Kaffeepause. Das Homeoffice hat für mich ganz viele Vorteile. Vor allem bin ich stolz, dass ich es endlich geschafft habe, papierlos zu arbeiten. Zudem erspare ich mir zwei Stunden Arbeitsweg pro Tag. 
  4. Die ETH Zürich hat auf Notbetrieb umgestellt und die Gebäude sind geschlossen. Nur noch ganz wenige Mitarbeitende mit einer Spezialbewilligung sind vor Ort. Die meisten Tätigkeiten finden online statt, selbst die Lehrveranstaltungen. Die ETH hat sich durch frühzeitige Beschlüsse in diesem Sinn für die Sicherheit ihrer Mitarbeitenden und Studierenden stark gemacht. Das macht mich stolz. Angesichts der Corona-Krise hat die ETH jedoch auch mehrere Initiativen lanciert. Zum Beispiel haben Studierende eine Online-Plattform eingerichtet, die studentische Hilfskräfte an Spitäler vermittelt. Des Weiteren hat die ETH dem Universitätsspital Räume und Material für Tests zur Verfügung gestellt. Ich finde es bewundernswert, was die Taskforce und die Schulleitung generell in so kurzer Zeit bewirkt haben.
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