Weihnachtskarten

Sag’s mit Papier

Weihnachtskarten muten im digitalen Zeitalter fast etwas nostalgisch an. Statt Karten Mails zu verschicken, sollte trotzdem keine Option sein. Denn im Vergleich zu 08/15-Bildschirmanimationen macht handfestes, modern bearbeitetes Papier einen nachhaltigeren Eindruck.

Die gute Nachricht zuerst: «Ja, es werden noch Weihnachtskarten geschrieben!» Martha Arnold, Präsidentin der Fachzeitschrift «Papeterie und Büro» und Inhaberin der Papeterie Calmart AG in Fislisbach hat sogar das Gefühl, dass die Nachfrage nach Karten dieses Jahr steigt. «Zum Glück werden noch Karten geschrieben», sagt sie, und denkt dabei nicht einmal in erster Linie an ihr Geschäft, sondern «an das Soziale, das Zwischenmenschliche. Eine Karte drückt Wertschätzung aus, und das tut den Menschen gut.» Besonders an Weihnachten, wo sowieso viel Stress herrsche, sei es doch ein Aufsteller, ein schönes Couvert in der Post zu finden. «Ich kenne viele Betriebe, in denen die Karten aufgestellt werden, sodass sie jeder Mitarbeiter sehen und lesen kann. Das ist ein nachhaltiger Gruss.»

In den meisten Büros hat die Anzahl Karten auf dem Fenstersims aber wohl in den letzten Jahren etwas abgenommen. Das Papier wurde durch Mails ersetzt, in denen Schnee-flocken über den Bildschirm rieseln oder der Samichlaus im Rentierschlitten mit einem Hohoho! im Wald verschwindet. Oft fehlt im Text dann auch der etwas umständliche Hinweis nicht, dass man, um Papier zu sparen, auf eine traditionelle Karte verzichtet. Ein ehrwürdiger Gedanke, der den Empfänger trotzdem ein bisschen wehmütig zurücklässt.

Zu Recht, findet Christoph Stokar. «Weihnachten ist weder die Zeit, um Papier zu sparen, noch um sich mit Unicef-Karten als Gutmensch zu profilieren.» Stokar hat «Der Schweizer Knigge» geschrieben und befasst sich gerne mit Fragen, was zu tun und was zu lassen ist im gesellschaftlichen Miteinander. Weihnachtskarten durch Mails zu ersetzen, ist seiner Meinung nach fast nie eine gute Option. «Ausser, Sie arbeiten in einem Informatikunternehmen und könne eine wirklich originelle Animation, die einen Bezug zu Ihrer Firma hat, verschicken.» Für alle anderen gilt: Zum Jahresende ein Mail zu verschicken, ist wie per SMS Schluss zu machen – einfach nicht angemessen.  

Auch Kitsch ist erlaubt

Was man sich allerdings laut Stokar überlegen könnte, ist, zu welchem Anlass die Karten verschickt werden. Mit der heutigen Multikulti-Gesellschaft müsse man sich fragen, ob statt Weihnachtskarten vielleicht ein Gruss zum neuen Jahr passender sei. So oder so sollten, wenn irgendwie möglich, neben dem Vorgedruckten ein paar persönliche Worte des Chefs nicht fehlen. «Natürlich kann man nicht 500 Karten mit einer persönlichen Note schreiben. Aber bei den besten Kunden lohnt sich der Aufwand.» Auch beim Kartensujet ist am schönsten, was zum Unternehmen passt. Stokar rät von allzu Bemühtem ab und plädiert für einfache, aber herzliche Botschaften. «Auch Kitsch ist erlaubt. Aber nur, wenn er so übertrieben ist, das auch wirklich jeder merkt, dass es Kitsch ist.»

 

Tipps von Knigge-Experte Christoph Stokar

  • Schön, wenn Vokabular gewählt wird, das zur Branche passt und sich abhebt vom Einheitsbrei
  • Der erste Satz sollte nicht mit «Ich» oder «Wir» beginnen.
  • Für die Ansprache immer noch am elegantesten: Sehr geehrte, sehr geehrter.
  • Unbedingt auf die Rechtschreibung achten, vor allem beim Namen.
  • Eine schlichte, schöne Computerschrift wählen.
  • Ein von Hand beschriftetes Couvert macht mehr Freude als eines mit Klebeetikette.
  • Nicht vergessen: Wer eine schöne, mit persönlichen, handgeschriebenen Worten versehrte Karte erhält, sollte sich beim Empfänger bedanken.

 

Das ist gar nicht so einfach. Vielleicht darum stellt Martha Arnold fest, dass viele ihrer Kunden eher schlichte Karten in Rottönen oder mit dezent glänzendem Pearl bevorzugen. «Von einem Trend würde ich aber nicht sprechen. Dafür sind die Geschmäcker zu unterschiedlich.» Wenn die Motive einfach sind, schafft das Papier die Aussage. «Das Papier, die Haptik muss stimmen. Darauf wird viel Wert gelegt. Das gleiche gilt für den passenden Stift und ein schönes Couvert», sagt Arnold. Die Botschaft wird in den Details übermittelt. Auch mit dem Bild. Ist der Chef einer Firma ein bekennender Bergsteiger, passt als Kartensujet ein verschneiter Gipfel. Für ein Unternehmen der kreativen Branche hingegen wäre eine weisse Landschaft ohne Bezug zu platt. 

Anfassen erwünscht

Vorauszusehen, welche Motive in Zukunft beliebt sein könnten, ist eine schwierige Aufgabe für Kartenhersteller. Das Design-Team vom ABC Glückwunschkartenverlag arbeitet zurzeit an den Sujets für Weihnachten 2016. Dabei lassen sie sich auch von Mode, Möbeldesign und Architektur inspirieren. «2013 waren zum Beispiel überall Eulen zu sehen, das Motiv wurde sehr beliebt», erzählt Christian Beck, CEO vom ABC Glückwunschkartenverlag. «Grundsätzlich halten sich aber die traditionellen Motive schon sehr, sehr lange. Wir versuchen, sie neu zu interpretieren. Im vergangenen Jahr waren beispielsweise reduziert dargestellte Hirsche sehr beliebt.»

Auch für Beck ist neben den Motiven vor allem die Haptik wichtig. Mit dem Fortschritt der Technik werden da verblüffende Dinge möglich. «Es gibt unzählige Papiere mit unzähligen Veredlungsmöglichkeiten wie Lack, Laminierungen, Folie oder Reliefprägungen. Mit Laserschnitten kann zudem äusserst filigran gearbeitet werden, das hat aber seinen Preis», sagt Beck. ABC Cards kreiert nicht nur Standardkarten, sondern stellt auch individuelle Kundenkarten her. Eine ist Beck dabei in besonderer Erinnerung geblieben: «Für eine Werbeagentur haben wir eine Karte mit nur einem Schnauz darauf gemacht. Blind geprägt, ohne Farbe. Das Relief wurde Haaren nachempfunden, ein Lack hat sie weich gemacht – jeder wollte den Schnauz anfassen und war verblüfft, wie echt er sich anfühlte.» Solche Überraschungseffekte machen die Freude perfekt. Und bleiben sicher auch nach Weihnachten in Erinnerung.

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