Karriere in der Assistenz

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Seit 25 Jahren ist Georg Mehlig bei der Mediengruppe RTL Deutschland als Assistent tätig. Wir sprachen mit ihm aus Anlass seines Jubiläums über die Anfänge, die Veränderungen und auch seine Sicht auf die Rolle der Assistenz.

Herr Mehlig, wie sind Sie zum Assistenzberuf gekommen?

Es gab eine Reihe von Zufällen, an deren Ende meine Anstellung stand. Ganz banal, ich brauchte einen Job, ich wohnte in der Nähe und ich war als Berufsanfänger günstig zu haben.

Das ist aber doch kein Grund, Assistent zu werden?

Völlig richtig. Ich habe aus falschen Gründen eine richtige Entscheidung getroffen. Und ich hatte Glück, denn mein damaliger Chef hat etwas in mir gesehen, was der Personalsachbearbeiter nicht gesehen hat. Eingestellt wurde ich als Junior-Sekretär beim Ressortleiter MAZ-Technik. Mein Chef war kurz vorher auf diese Position gekommen und brauchte daher Unterstützung. Dieser Chef hatte damals keine Berührungsängste, einen Mann einzustellen, denn 1993 war das äusserst exotisch. Durch das technische Umfeld wurde ich schnell heimisch.

Wie haben Sie den Einstieg erlebt?

Es war eine Zeit des «sich Findens». Die Firma erfand sich neu, mein Chef musste seinen Platz suchen und ich suchte mit. Ich persönlich hatte oft Zweifel - mangels Erfahrung -, ob das, was ich tue, genügt oder fehlerfrei ist. Rückblickend, was ist jetzt bemerkenswert anders? Heute reden alle von Change, Agilität ist der neue Gott. Nach 25 Jahren habe ich aber gelernt: es ist immer Change, ich muss immer flexibel sein und dazulernen. Vielleicht hiess das früher anders. Aber neu ist es nicht. Sie sind einer von wenigen Männern in Ihrem Beruf.

Woran liegt das?

Es ist wirklich schade, dass nicht mehr Männer meinen Beruf ergreifen. Ich vermute, dass hier das Bild der Vergangenheit nachwirkt. Noch immer gibt es eine Vielzahl von Kolleginnen, deren Wahrnehmung des Berufs noch aus der Mitte des vergangenen Jahrhunderts stammt. Doch immer öfter beobachte ich zum Glück, dass junge, gut ausgebildete Menschen unseren Beruf ergreifen.

Wie stellen Sie sich Ihren Job in Zukunft vor?

Durch den ständigen Wandel wird sich unsere Tätigkeit ändern müssen. Natürlich machen wir die Arbeit, es ist nur die Frage, welche? Wir müssen unsere Kompetenzen als empathisches Kommunikationszentrum ausbauen. Wir sind Teil eines Netzwerks. Wenn wir dann noch Teil des Netzwerks unseres Vorgesetzten werden, können wir automatisch auch Dinge entscheiden oder mitentscheiden. Dafür müssen wir Fähigkeiten erwerben. Wir müssen netzwerken und Kontakte intern und extern pflegen.

Was ist damit konkret gemeint?

Die Assistenz kann durch beherztes internes Networking vieles bemerken. Dann hilft es, wenn die Assistenz selbstbewusst Dinge benennt. Oft sind es die Probleme mit Kommunikation und Schnittstellen, die der Assistenz auffallen können oder müssten. Und diese Dinge muss man dann auch kompetent und auf Augenhöhe benennen können. Da hilft die alte Schule nicht weiter, da braucht es einfach Vernunft. Es ist nahezu lebensnotwendig, sich fortzubilden und auf Seminaren die Kolleginnen und Kollegen zu treffen, die mit einem Best Practice leben. Eine starke Assistenz profitiert von der Teilnahme an Fachkongressen. Natürlich bin ich als Mann auch dort der Exot. Und die Kolleginnen verhalten sich unbewusst anderes mir gegenüber. Auch diese Grenze muss aufgeweicht werden, denn eine moderne Assistenz sollte solche Verhaltensweisen zumindest erkennen können.

In Ihren 25 Jahren bei RTL sind haben Sie doch ganz nah dran, an dem Geschehen, dass die Zuschauer nur im Fernsehen erleben...

Oh ja, das ist stimmt. Vor meinem Bürofenster spielt sich eine Menge ab. Zum Beispiel findet dort jedes Jahr der grosse Einzug des Dschungelkönigs statt und im Handumdrehen verwandelt sich unsere «Mall» in ein Fernsehstudio mit Palmen und Kamerakränen, damit der «König» vorfahren kann.  Apropos König: Ganz gross war in diesem Jahr natürlich die Hochzeit von Prinz Harry. Für solche Produktionen gilt: Gross einsteigen und mit allem rechnen. Wir haben begonnen mit der Ansage, wir brauchen vier Locations mit unseren Übertragungswagen und das Ganze mit Doppelschichten. Im Laufe der Zeit wurde die Anzahl der Produktionsmittel und die Menge des Personals immer kleiner, denn in Windsor ist es einfach zu eng für einen 12 Tonnen Übertragungswagen. Die meiste Energie hat die Koordination der Lizenzen für Funkmikrophone und ähnliches verschlungen. Etwas, was wir vom Fernsehen brauchen und was der Zuschauer nicht sieht. Auch gehen sämtliche Rechnungen der Abteilung etc. über meinen Tisch, um unsere Fahrzeuge kümmere ich mich, schon mal fliege ich mit einer Kamera nach Portugal, weil ein Reporter sie dort braucht. Unser Business endet natürlich nicht um 17:00 Uhr.

Fühlen Sie sich integriert in die «Community» der Assistenzen, sowohl intern bei der Mediengruppe RTL als auch extern auf Kongressen und Seminaren?

Ich wäre sicherlich stärker integriert, wenn ich das forcieren würde. Tatsächlich ist die Schwachstelle intern, wo ein starkes Netzwerk der Kollegen vieles bewirken könnte. Auch hier, ohne einen Antreiber, funktioniert das nicht. Und Seminare fallen nicht vom Himmel, ich muss mir Themen suchen und sie verfolgen. Glücklicherweise hat die Konzernmutter Bertelsmann ein grosses Portal für die Weiterbildung der Mitarbeiter konzipiert, auf die wir gerne zugreifen.

Würden Sie rückblickend wieder den Beruf der Assistenz auswählen?

Auf jeden Fall. Meine heutige Erfahrung allerdings weist darauf hin, welches Potential viel früher hätte ausgeschöpft werden können.

Zur Person

Die Abteilung, in der Georg Mehlig arbeitet, hält konzernweit mobile Produktionsmittel für die Fernsehproduktion und –übertragung bereit, um schnell Interviews, aktuelle Nachrichten oder andere Events senden zu können. Als Assistent des Abteilungsleiters Mobile Aussenproduktion/SNG ist Georg Mehlig insbesondere dafür verantwortlich, die Mitarbeitenden zu disponieren, deren Reisen zu planen und Sendelizenzen sowie Zollpapiere zu organisieren. Er ist Ansprechpartner seiner Abteilung, intern als auch extern und koordiniert nicht zuletzt seinen Chef. Mehlig engagiert sich zudem im Betriebssportverein. Er ist verheiratet und Vater einer Tochter.

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