Öko-Fussabdruck

Geht's auch kleiner?

Kategorie: Reisen | Text: Ruth Preywisch | 15.03.2017
Wir trennen den Kehricht, tauschen Glühlampen gegen Energiesparlampen, sparen Wasser und drosseln die Heizung – alles für einen guten ökologischen Fussabdruck. Doch dann fliegen wir beruflich um die Welt – und ruinieren damit die Bilanz. Geschäftsreisende würden das gerne ändern, doch die Unternehmen ziehen noch nicht so ganz mit. Dabei nutzt ökologisch Reisen nicht nur ihrem Image, sondern auch dem Geldbeutel. 
 
Laut einer aktuellen Umfrage des Geschäftsreiseanbieters Airplus wird umweltfreundliches Reisen von den Reisenden selbst als grösster Wachstumstrend bewertet. Rund 45 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass die Bemühungen um CO2-neutrale Reisen zunehmen werden. Doch bei den Travel Managern sieht es anders aus, sie sehen die grössten Wachstumsraten im Bereich in Datensicherheit und Social Media Nutzung. Dass umweltfreundliches Reisen trotzdem zugenommen hat, liegt vor allem am Kostendruck. Denn es kommt die Unternehmen keineswegs teurer zu stehen. 
 
 

Nahverkehr statt Mietwagen

«Die Unternehmen schlagen zwei Fliegen mit einer Klappe», erklärt Roland Schmid, Leiter der Fachgruppe Umwelt & Soziales des Schweizer Reise-Verbandes. Aus Kostengründen wird zum Beispiel immer weniger First Class gebucht, Economy ist einfach günstiger. Und gleichzeitig effizienter. «Das hat immense Vorteile für den CO2-Verbrauch», sagt Schmid. Ähnlich sieht es mit dem Transport vor Ort aus. «Viele Firmen legen mittlerweile wert auf die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs statt teurer Mietwagen», sagt Schmid. Und schonen damit nebenbei die Umwelt.
 
 
Auch Bahnfahrten werden bei kürzeren Strecken vor allem im Inland oder innerhalb Europas häufiger gebucht als früher. Kein Wunder, denn sie sind oft günstiger als ein vergleichbarer Flug und zudem sind die Bahnhöfe zentraler gelegen als die Flughäfen. «Bei Strecken unter 500 Kilometern lohnt sich das oft finanziell und auch zeitlich», sagt Schmid. Der Transport schlägt beim ökologischen Fussabdruck am negativsten zu Buche, aber wer da nicht sparen kann, kann auch beim Hotel ansetzen. «Es gibt mittlerweile einige Hotels, die klimaneutrale Zimmer anbieten», weiss Schmid. Die seien zwar meist etwas teurer,  aber mit Blick auf den CO2-Verbrauch einer Reise durchaus sinnvoll. 
 
 

Über Klimadeals verhandeln 

Wer es ernst meint mit der Nachhaltigkeit, der muss in jedem Fall genau hinsehen und bewusster buchen. «Es gibt viele Alternativen, aber die findet man nicht auf der obersten Seite des Internets», sagt Schmid. Zudem empfiehlt er, sich erstmal die Zahlen genau anzuschauen. Es gibt mittlerweile einige Tools, mit denen man den CO2-Verbauch von Reisen ziemlich genau ausrechnen kann und auch Geschäftsreisebüros bieten meist ein CO2-Reporting an. «Dann liegen Fakten vor und es wird sachlich», sagt Schmid. Gemeinsam mit den Reisepartnern könne man dann überlegen, wo eine Einsparung einfach und sinnvoll zu bewerkstelligen ist.  «Man kann mit den Partnern nicht nur über Spezialpreise, sondern auch über Klimadeals verhandeln», weiss Schmid. Wichtig sei bei all dem aber auch der gesunde Menschenverstand. «Die Lösungen müssen passen, sonst bringt es nichts», sagt Schmid. 
 

Tipps zum umweltfreundlichen Reisen

 
Planung: 
  • Auswärtstermine kombinieren
  • Fahrgemeinschaften bilden
  • Übernachtung am Zielort
  • Video- oder Skype-Konferenzen
 
Transport: 
  • Auf kürzeren Strecken Bahn statt Flugzeug nutzen
  • Bei Mietwagen auf «Grüne Flotte», also emissionsarme Modelle achten
  • Nahverkehr statt Taxi nutzen
 
Unterkunft: 
  • Hotels mit nachhaltiger Hotelführung (Öko-Label) buchen
  • Bei Hotels auf die verkehrstechnisch günstige Lage achten
 
Bei ortsnahen Reisen: 
  • Öffentlichen Nahverkehr oder Carsharing statt Firmenwagen nutzen
  • Firmenfahrrad anbieten
 
Analyse & Strategie: 
  • CO2-Reportings erstellen und Ergebnisse auswerten
  • Klimadeals aushandeln
  • CO2-Kompenasaitonsprogramme nutzen

www.myclimate.org
www.atmosfair.de

Der Öko-Fussabdruck

Definition: Der Ökologische Fussabdruck bezeichnet die Fläche auf der Erde, die notwendig ist, um den Lebensstil und Lebensstandard eines Menschen (unter Fortführung heutiger Produktionsbedingungen) dauerhaft zu ermöglichen.

Ergebnisse: Nach Daten des Global Footprint Network und der European Environment Agency wird die weltweit zur Verfügung stehende Fläche insgesamt um 23 % überschritten. Danach werden bei gegenwärtigem Verbrauch pro Person 2,2 ha beansprucht, es stehen allerdings lediglich 1,8 ha zur Verfügung. Anhand des ökologischen Fussabdrucks lässt sich der ökologische Overshoot berechnen. Der so genannte «Welterschöpfungstag», ab welchem die von der Menschheit konsumierten Ressourcen die Kapazität der Erde übersteigen, war in den vergangenen Jahren bereits im August erreicht.

Erfinder: Das Konzept wurde 1994 von dem Schweizer Mathis Wackernagel und William E. Rees entwickelt. 2003 gründete Wackernagel das Global Footprint Network, welches den Ansatz weltweit verbreitet hat.

 

Text: Ruth Preywisch

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