Mütter in der Assistenz

«Eine Frage der Einstellung»

Kategorien: Karriere, Organisation | Text: Stefanie Zeng | 13.06.2017

Wer Mutter wird, hat es auf dem Arbeitsmarkt oft nicht mehr so leicht. Gerade in der Assistenz ist Teilzeit noch immer ein schwieriges Thema. Dabei sind viele dieser Frauen wahre Effizienzmaschinen, weil so viel unter einen Hut bekommen müssen. Drei Beispiele.

«Ich lasse mich nicht abschrecken»

Rosanna Sivillica, 42 Jahre, gerade auf Stellensuche
 

«Als mein Sohn auf die Welt kam, war ich schon seit zehn Jahren bei meinem Arbeitgeber tätig. Mit meinem Chef habe ich mich gut verstanden, wusste aber, dass er keine Assistentin in Teilzeit wollte. Ich habe es ihm leicht gemacht und direkt angesprochen, dass ich nur zu 60 Prozent zurückkommen möchte und darum wohl eine andere Position brauche. Das hat mir das Unternehmen dann auch zugesichert und es klang damals alles so problemlos, dass ich mir keine weiteren Gedanken gemacht habe.

Als ich dann nach fünf Monaten zurückkam, gab es allerdings erst einmal keine Stelle für mich. Nach ein paar Tagen bekam ich dann eine 60-Prozent-Stelle bei einem neuen Chef. Doch die Freude über die neue Stelle war kurz, denn auch dieser Chef wollte lieber eine Assistentin, die zu 100 Prozent für ihn da ist. Doch statt das einfach zu kommunizieren, erfand der Gründe, warum es mit mir doch nicht klappte. Dabei habe ich meine Arbeit immer erledigt und auch so gut wie nie wegen meines Sohnes gefehlt. Es war insgesamt eine sehr enttäuschende Zeit.

Als Mutter wird man einfach anders angeschaut, auch wenn man vorher im gleichen Unternehmen immer Topleistung erbracht hat. Ich habe es mir nicht so schwierig vorgestellt und war überrascht, wie die Realität jetzt wirklich ist. Aber ich lasse mich davon nicht abschrecken. Auch als Mutter will ich einen anspruchsvollen Job. Einzig in den Köpfen vieler Arbeitgeber muss das Vorurteil noch verschwinden, Mütter seien nicht so leistungsfähig, wie Mitarbeiter ohne Kinder. Und auch in Bezug auf die Kinderbetreuung muss sich von staatlicher Seite noch einiges tun. Diesbezüglich ist die Schweiz wirklich hintendrein.»

 

«Als Mutter muss man sich immer wieder beweisen»

Nicole Y. Mühleisen, 42 Jahre, seit fast neun Jahren Assistentin bei Mercer
 

«Als ich schwanger wurde, arbeitete ich gerade als Chef de Reception in einem Hotel. Mein Chef hat mir nach der Nachricht sofort auf Ende des Mutterschaftsurlaubes gekündigt. Das fand ich heftig, schliesslich wollte ich es wenigstens probieren. Zudem hatte er selbst zwei Kinder, die sozusagen im Hotel aufgewachsen sind. Aber am Ende habe ich die Entscheidung verstanden: Mit unregelmässigen Arbeitszeiten ist es wirklich nicht einfach, allein ein Kind grosszuziehen. Denn die brauchen Strukturen und müssen wissen, wann man da ist und wann nicht. Bei Mercer arbeite ich 80 Prozent mit je einem freien Nachmittag am Mittwoch und Freitag. Mein damaliger Chef wollte, dass ich jeden Tag im Büro bin und mir passt das ganz gut, weil ich so nicht allzuviele E-Mails aufarbeiten muss. Mit meinem neuen Chef kann ich obendrein jeweils am Mittwochmorgen Home Office machen. Das hat sich gut eingespielt. Meine Tochter ist mittlerweile zwölf, und kann jetzt auch mal allein zu Hause bleiben. Da habe ich Glück, das kommt schliesslich auch aufs Kind an, was wann möglich ist.

Für mich war von Anfang an klar, dass ich nur die gesetzlich vorgegebenen vier Monate zu Hause bleiben kann. Als Alleinerziehende bin ich auf meinen Verdienst angewiesen und es kam mir auch nicht in den Sinn, dem Staat auf der Tasche zu liegen. Für irgendetwas habe ich mich schliesslich aus- und weitergebildet und zwei Sprachen gelernt. Ich bin selbst mit einer alleinerziehenden Mutter aufgewachsen und damals gab es keine Betreuungsangebote und gesellschaftlich wurde es kaum akzeptiert, ein Kind allein grosszuziehen. 

Natürlich ist es schwieriger, als Mutter auf Jobsuche zu gehen. Und auch, wenn man einen Job hat, muss man sich als Mutter und erst recht als alleinerziehende, immer wieder beweisen. Ich denke, dafür sind auch einige Mütter verantwortlich, die ihre Situation ausnutzen und häufiger wegen ihrer Kinder fehlen. Was hilft, ist ein Chef, der selbst ein engagierter Vater ist. Und es sollte ein Geben und Nehmen sein. Wenn ich abends um zehn nochmals für das Geschäft den Laptop aufklappe, erwarte ich im Gegenzug dann auch mal Flexibilität, wenn ich sie brauche.»

«Nicht nur Mami sein»

Lorena De Marchi, 29 Jahre, ab Juli Assistentin des CEO bei Walde & Partner Immobilien AG 
 

«Als ich meinem damaligen Chef von meiner Schwangerschaft erzählte, hat er sehr positiv reagiert, und wir haben gemeinsam entschieden, dass ich nach dem Mutterschaftsurlaub mit einem 80-Prozent-Pensum zurückkehre. Ich hätte mir auch ein 60-Prozent-Pensum gut vorstellen können, habe aber schnell gemerkt, dass es für die Position und die Verantwortung im Betrieb mehr braucht.

Während meiner Abwesenheit hatten wir eine temporäre Assistentin, die ich vor der Geburt noch einen Monat lang einarbeiten konnte. Die Kinderbetreuung teile ich mir mit meinem Mann. Er arbeitet Schicht, manchmal abends oder am Wochenende, und kann so zwei Tage pro Woche auf unseren Sohn aufpassen, einen Tag bin ich selbst zu Hause und den Rest der Zeit haben wir eine Tagesmutter. Wir müssen jeden Monat neu organisieren, aber bis jetzt klappt das ziemlich reibungslos. 

 
Ich habe mich sogar entschieden, eine neue Herausforderung anzunehmen, und starte nach drei Jahren beim alten Arbeitgeber in einen neuen Job. Mit nur einer Bewerbung hat es sofort geklappt. Überraschenderweise verlief der Einstellungsprozess trotz Kleinkind sehr unkompliziert. Genaugenommen war das beim Vorstellungsgespräch gar kein grosses Thema. Mein künftiger Chef wollte zwar wissen, wie die Kinderbetreuung organisiert sei, viel wichtiger war ihm aber, dass es zwischen uns persönlich gut passt. Das hat mich sehr positiv überrascht.  

Für mich ist es eine Frage der Einstellung, ob man Kind und Karriere unter einen Hut bekommt. Natürlich ist es manchmal streng und man arbeitet die Mittagspause durch, um am Abend das Kind pünktlich von der Tagesmutter holen zu können, aber das gehört dazu in dieser frühen Phase. Kolleginnen, die auch Mütter sind, fragen mich manchmal, wie ich das schaffe. Aber ich möchte nicht nur Mami sein. Ich möchte im Beruf weiterhin Verantwortung übernehmen und meine Karriere voranbringen.»

 

Text: Stefanie Zeng | Weitere Artikel von Stefanie Zeng

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